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Foto: Fotomowo /Adobe Stock
Auch verstärkt durch die Corona-Pandemie setzen steigende Rohstoffpreise und Lieferengpässe die hiesige Stahl- und Blechindustrie gehörig unter Zugzwang. 

Metalshub / Laserhub

So verändern steigende Rohstoffpreise die Lieferkette

Beschaffungsplattformen haben Konjunktur: Stahl- und Blechverarbeiter gehen zunehmend diesen Weg, um steigende Rohstoffpreise und Lieferengpässe zu umgehen.

Die metallverarbeitende Industrie sowie die Stahlhersteller in Deutschland vermelden zunehmend Lieferschwierigkeiten und steigende Kosten durch teilweise stark anziehende Rohstoffpreise. Laut einer aktuellen Umfrage des IBU (Industrieverbande Blechumformung) gibt es mittlerweile Beschaffungsprobleme bei rund 90 % der Zulieferer. Wie die beiden Unternehmen Metalshub und Laserhub jetzt berichten, setzt daher eine wachsende Zahl von Anbietern und Abnehmern auf junge Beschaffungsplattformen, um diese Marktschwankungen abzufangen.

Digitale Plattformen unterstützen flexible Lieferketten

Mit der Stuttgarter Laserhub GmbH sowie der Metalshub GmbH aus Düsseldorf sind seit jeweils rund drei Jahren zwei deutsche Startups hier mit großem Erfolg aktiv und melden stark zunehmend Nutzerzahlen. Denn um sowohl die Rohstoff-Versorgung als auch die Verfügbarkeit von Metall-bzw. Blechteilen für die Industrie sicherzustellen, setzen Unternehmen mittlerweile vermehrt auf digitale Plattformen, um ihre Beschaffungsprozesse bzw. ihre Lieferketten effizienter und flexibler zu managen. 

Trotz Corona hohe Nachfrage: Rohstoffpreise steigen um bis zu 50 %

„Aufgrund von einer steigenden Nachfrage und einem Angebot, das nicht hinterher kommt, zieht der Rohstoffpreis für einige Legierungen aktuell stark an. Für Rohstoffe wie Mangan, Molybdän, Silizium und weitere Legierungselemente sind die Preise in den vergangenen Monaten teilweise um bis zu 50 % gestiegen. Vielerorts wurde zu Beginn der Corona-Krise die Produktion gedrosselt beziehungsweise Kapazitäten heruntergefahren. Nun ist die Nachfrage überraschen schnell gestiegen. Hinzu kommt, dass es Engpässe gibt an leere Container zu kommen und dass die Frachtraten stark angezogen haben“, erklärt Dr. Sebastian Kreft, Vorstand bei Metalshub. „Wenn man sich dann klarmacht, dass bei den europäischen Stahlwerken über 60 % der Produktionskosten in den Rohstoffen stecken, werden die Konsequenzen schnell klar.“

Die Folgen des stockenden Rohstoff-Nachschubs, der damit verbundenen wackeligen Lieferketten und steigenden Preisen bekommen unter anderem blechverarbeitende Betriebe und deren Kunden zu spüren. „Die Wirtschaft zieht in einigen Branchen wieder an, die Industrie braucht Metallteile. Die Auftragsbücher füllen sich und trotz andauernder Corona-Lage geht es aufwärts“, berichtet Adrian Raidt, Co-Gründer und Geschäftsführer des jungen Plattform-Startups aus Stuttgart. „Auf der anderen Seite steigen Lieferzeiten und Preise der Rohstoffe. Metalle werden teurer und in der Folge auch die Metallteile.“

Für die beiden B2B-Plattformen war 2020 ein boomendes Jahr 

Den Rohstoffmarkt hat das Team von Metalshub im Jahr 2017 ins Zeitalter der Digitalisierung befördert. Auf dem Online-Marktplatz erhalten die Anbieter und Nachfrager von Ferrolegierungen und Spezialmetallen zahlreiche Funktionen und Informationen um die Lieferketten in der Industrie flexibler und zugleich robuster sowie transparenter und effizienter zu machen. Speziell seit Mitte/Ende 2020 meldet das Startup aus Düsseldorf stark anziehende Aktivitäten auf seiner B2B-Plattform.

Eine identische Entwicklung melden die Gründer der Stuttgarter B2B-Plattform Laserhub, die sich an die Anbieter und Nachfrager im Bereich der Metallverarbeitung wendet. Im Kern steht hier das vollautomatisierte Prozess- und Beschaffungsmanagement rund um Laser- und CNC-Teile. “Jetzt spielt unser Geschäftsmodell mit seinem Produktionsnetzwerk seine Stärken aus. Statt auf einen einzelnen Produzenten mit einem Materiallager greifen unsere Kunden über einen Kanal auf dutzende Lager und unterschiedlichste Lieferketten zu.”

Wie genau will Laserhub die Schwankungen ausgleichen?

  • Indem Laserhub auf mehrere Lieferketten zugreift, kann die Plattform realistische Preise bieten, die dem aktuellen Marktgeschehen entsprechen. Preisanstiege bleiben so gering wie möglich.
  • Bei der Auswahl der Produzenten achtet Laserhub vermehrt darauf, dass sich vielfältige Wege der Materialbeschaffung gegenseitig ergänzen – direkt vom Stahlhändler, dem Stahlwerk oder dem Stahl-Servicecenter.
  • Kontinuierliche Erweiterung des Produktionsnetzwerks
  • Das Produkt- und Entwicklungsteam hat einige Funktionsverbesserungen in Angriff genommen, welche aktuelle Entwicklungen direkt adressieren. 

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Beschaffungsplattformen werden sich langfristig bewähren

Die steigende Nachfrage an allen Fronten beschäftigt die jungen B2B-Plattformanbieter und treibt deren Weiterentwicklung voran. Beide Startups fühlen sich dabei gut für jedwede Marktentwicklung gewappnet. „Natürlich freuen wir uns über die aktuell hohe Nachfrage nach Metallteilen“, so Adrian Raidt. „Aber selbst wenn darauf ein Abschwung folgt, haben die Unternehmen weiterhin Bedürfnisse, die durch eine digitale Plattform besser bedient werden können als durch Prozesse, die auf Telefon und manuelle E-Mails setzen.“

Diese Einschätzung teilt auch Dr. Sebastian Kreft von Metalshub: „Die Bedeutung transparenter und flexibler Lieferketten kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. Viele klassische Industriebranchen stehen hier noch ganz am Anfang und ich erwarte in den kommenden Monaten noch eine sehr große Dynamik.“

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