Die Geschäftsführer der Röhrle GmbH: Frank und Dietmar Röhrle vor ihrer EHT Tandem Abkantbank. Sie bieten Blechteile über ihren Webshop an.
Foto: Röhrle GmbH

Software

Best Practice: Digitale Blechteilebeschaffung

Wir stellen drei junge Blechbearbeitungsunternehmen vor und zeigen, wie sie mit Webshops für Blechteile ihre Attraktivität im Internet steigern.

Für metallverarbeitende Unternehmen gibt es keine Onebox-Industrie-4.0-Lösung, sondern Einzelbausteine an Softwarelösungen (ERP, MES, MRP, CAD, CAM etc.), die in Summe den Weg zur digitalen Fabrik ermöglichen. Kernthema dabei ist es, die einzelnen Digitalisierungsbausteine zu einem in sich funktionierenden sogenannten autonomen Eco-System zusammen zu führen. Das heißt, die bisher analog abgebildeten Unternehmensprozesse werden in digitale Prozesse umgewandelt. Hierbei gilt, dass nur ein optimal funktionierender analoger Prozess auch in einen ebenso funktionierenden digitalen Prozess umgewandelt werden kann. SQL-basierte Systeme als quasi Industriestandard ermöglichen hierbei das Zusammenwachsen der einzelnen Digitalisierungkomponenten.

Ferner hat jedes Unternehmen andere Prozessabläufe, die berücksichtigt werden müssen. Somit muss jedes Unternehmen dabei auch seinen individuellen Weg anhand einer dedizierten Digitalisierungsstrategie selber finden.

Hintergrund: Webshops zur Blechteilebeschaffung

  • In Webshops können Blechbauteile online angefragt, mit einem Angebot versehen und schließlich beauftragt werden. Der jeweilige Webshop funktioniert autonom und ist 24/7 präsent und erreichbar. Grundlage sind 2D-Zuschnitte (z.B. auf DXF-Basis) oder 3D-Blechbauteile (z.B. auf STEP-Basis).
  • Zu bemerken ist, dass immer mehr Produkte in 3D-CAD-Systemen entwickelt werden. So entsteht der „digitale Zwilling“ als Gegenstück zum späteren realen Produkt. Zu vermuten ist, dass die 3D-Daten in Zukunft die 2D-Daten ablösen werden, was die Verarbeitung ohne Rückfragen vereinfachen wird.
  • Rückfragen verhindern die nahtlose Prozessabwicklung, weshalb dieser Paradigmenwechsel für viele Zulieferer oder Lohnfertiger in der blechverarbeitenden Industrie durchaus begrüßenswert ist.
  • Drei Unternehmen haben den digitalen Wandel analysiert, Konzepte ausgearbeitet und schließlich agiert. So wurden 2019 von der Firma 3D Concepts GmbH drei neue Webshops auf Basis des bekannten Radan-Produktportfolios in den Unternehmen implementiert.

1.) Trio: www.trionline24.de

Die Trio Metall und Design GmbH in Luhe ist Lohnfertiger für Blechbauteile und liefert von der Beratung, Konstruktion und Planung bis zu montagefertigen Baugruppen einen kompletten Service. Vor allem Kleinserien und Einzelteile gehören dabei zu den Stärken von Trio, aber auch große Mengen sind für den Betrieb kein Problem. Durch moderne Lasertechnik können auch Buntmetalle wie Kupfer, Messing und Titan bearbeitet werden.
Trio startete Anfang 2019 mit der Umsetzung seiner Digitalstrategie. Die Aufgabe bestand darin, die internen Prozesse zu digitalisieren und einen Webshop für die Blechteilebeschaffung zu implementieren. Gleichzeitig sollten die neuen digitalen Prozesse an das bestehende ERP-System des Unternehmens gekoppelt werden. Zudem sollen die neuen Laseranlagen mit den Radan-Lösungen angesteuert werden.

Der Maschinenpark besteht bei Trio aus einer Amada-EML-3610-NT-Kombimaschine, zwei Amada-Ensis-AJ-3015-Laserschneidmaschinen sowie diversen Amada-Abkantbänken. Die Schneidmaschinen sind jeweils mit einem Lagerturm ausgestattet, was einen Dreischichtbetrieb erlaubt. Als Ergebnis und Highlight steht nun der Radan-Webshop, der unter der Marke www.trionline24.de eingeführt wurde.

Webshop mit ERP-Anbindung

Der Webshop liefert die Aufträge digital an das ERP-System, welches weiterhin die Aufträge an das Radan-MRP-System zur Fertigungsabwicklung übergibt. Fertige Aufträge werden vom MRP-System an das ERP-System zurückgemeldet. In Folge werden die Prozesse für Versand und Fakturierung angestoßen. Somit ist bei Trio sowohl der horizontal-logistische als auch der vertikal-fertigungstechnische Prozess digital abgebildet.

„Sehr zeitaufwändig war bei uns immer die Angebotserstellung. Unser Webshop soll diesen Aufwand minimieren, respektive automatisieren. Wir haben aber festgestellt, dass über den Webshop auch größere Anfragen, wie beispielsweise komplette Schweißbaugruppen, direkt an uns gestellt werden. Dies bewog uns, auch in das Radan-Offline-Angebotsmodul Radquote zu investieren. In Radquote können komplette Baugruppen kalkuliert werden. Der Aufwand für die Angebotserstellung hat sich dabei fast halbiert“, sagt Christian Weinberg, Key Account Manager.
Geschäftsführer Robert Käs ergänzt: „Von Anfang an war es unser Ziel, eine komplette Digitalstrategie zu verfolgen. Hierzu haben wir entsprechend in Software und Maschinen, aber auch in neue Mitarbeiter investiert. Wir denken, mit der nun dargestellten Lösung für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Zurzeit bewerben wir insbesondere unseren neuen Webshop intensiv und hoffen, damit nachhaltig zusätzliche Umsatzerlöse zu generieren.“

2.) Schönberg: www.schoenberg-laserzentrum.de

Die Schönberg Technikhandel + Service GmbH ist ein mittelständiges Industrieunternehmen aus Mühldorf am Inn mit Produktionsstätte in Erfurt. Seit dem Jahr 2006 werden erfolgreich Speicher für die Heizungstechnik produziert. Mit einem Laserzentrum eröffnet das Unternehmen auch die Möglichkeit, Metallteile in Auftragsfertigung zu bestellen. Die Aufträge werden auf einer Mazak-Laserschneidanlage sowie auf einer Plasmaschneidanlage geschnitten.
Seit 2018 komplettiert eine Dener-Puma-XL-30220-Abkantbank den Maschinenpark. Schweißbaugruppen werden bei Schönberg sowohl manuell als auch mit einem vollautomatischen Schweißroboter bearbeitet. Sowohl die Laserschneidanlage als auch die Abkantbank werden von den Radan-Softwarelösungen programmiert. Geschäftsführer Mathias Schönberg: „Wir kannten Radan schon, weil wir damit unsere Blechbearbeitungsmaschinen ansteuerten. 2018 befassten wir uns intensiver mit dem größeren Produktportfolio von Radan und insbesondere dem Radan-Webshop. Hieraus entstand die Idee, unsere Kapazitätsmöglichkeiten in der Lohnfertigung mit einem Webshop noch besser auszufüllen.“

Webshop mit 32.000 Briefen beworben

2019 investierte Schönberg dann in den Radan-Webshop, mittlerweile ist das Webportal online. Sobald ein Auftrag über das Portal abfällt, wird dieser über Radan-MRP für die Fertigung aufbereitet und abgearbeitet. „Die Umsetzung eines Webshops muss generell vermarktet werden, um den Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Zuletzt haben wir 32.000 Briefe an potentielle Kunden versendet, um unsere Leistungen vorzustellen. Derzeit sind wir also noch in der Anlaufphase, was Aufträge über das Webportal anbetrifft“, so Mathias Schönberg.

3.) Röhrle: www.sheetmetal24.de

Die Röhrle GmbH ist ein Unternehmen mit langjähriger Erfahrung in der Blechverarbeitung und im Stahl- und Anlagenbau. Als mittelständischer Betrieb werden die Herstellung von Klein- und Großserien sowie Einzelanfertigungen nach Kundenvorgaben übernommen. Durch den ausgeprägten Maschinenpark können die Kunden eine Komplettfertigung aus einer Hand erwarten.

Auf der rund 1.200 m2 großen Produktionsfläche werden Bauteile mit einem Stückgewicht von bis zu 6 t hergestellt. Zum Leistungsumfang gehören bei Röhrle Laserschneiden, Autogenschneiden, Scheren, Gesenkbiegen, Schwenkbiegen, Rundbiegen, und Schweißen. 2016 wurde der Maschinenpark mit einer Trumpf-TruLaser-5060-Laserschneidanlage sowie einer EHT-VarioPress-400-40-Tandem -Abkantbank zur Verarbeitung von sehr großen Blechbauteilen ergänzt. Zusammen mit den Maschinen setzte Röhrle auf die Radan-Lösungen zur Ansteuerung der Maschinen.

Webshop als Ergänzung

„Ich hatte schon immer die beiden großen Anbieter von Webshops für Blechteile beobachtet. Daraus entstand bei mir der Wunsch, hier ebenfalls einzusteigen. Gemessen daran, dass in Deutschland – im Gegensatz zu den Niederlanden – kaum funktionierende Webshops präsent sind, erhoffe ich mir dabei, einer der Pioniere in der digitalen Blechteilebeschaffung zu sein. In Folge habe ich 2019 in den Radan-Webshop investiert“, sagt Geschäftsführer Frank Röhrle. Die Vermarktungsstrategie bei der Röhrle GmbH wurde dabei unter der neuen Marke www.sheetmetal24.de aufgebaut.
Frank Röhrle: „Um meinen Webshop zu bewerben, setze ich auf Suchmaschinenoptimierung, kurz SEO. Zudem habe ich in Google Adwords investiert, was meinem Webshop zusätzlich zu Top Rankings verhilft.“