Mit „Lantek 360“ hat Lantek eine Cloud-Plattform entwickelt, die auf die Bedürfnisse der Blechbearbeitung zugeschnitten ist.
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Software

Nutze die Daten! Über das Potenzial der Digitalisierung

Digitalisierung ist nicht nur für die „Großen“. Sie ist für alle Unternehmen eine Chance, um Wissen im Betrieb zu halten und Abläufe effizienter zu machen.

Kann Digitalisierung zu mehr Effizienz, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit führen? Christoph Lenhard, Verkaufsleiter Deutschland bei Lantek, hat sich dieser Frage im nachfolgenen Fachbeitrag angenommen.

Das 5S-Prinzip

In der Produktion erfreut sich derzeit Lean Manufacturing wachsender Beliebtheit. Systematische Fertigungsorganisation zielt darauf ab, Ressourcen effizient zu nutzen und Abläufe kontinuierlich zu verbessern. Eine Strategie ist, die Arbeitsumgebung nach dem 5S-Prinzip zu gestalten, damit jedes Werkzeug immer schnell gefunden wird: Sortiere aus, was überflüssig ist, und systematisiere die Ordnung; säubere regelmäßig den Arbeitsplatz; standardisiere ihn, damit sich jeder andere problemlos zurechtfinden kann; Selbstdisziplin beim Bewahren dieser Ordnung und ständige Verbesserung dieser Ordnung. „Ein Platz für alles und alles an seinem Platz“, lautet die Maxime.

Wo geht wertvolle Arbeitszeit verloren?

Während Betriebe großes Augenmerk auf eine systematisierte Fertigungsorganisation legen, nehmen viele die permanente Suche nach Informationen oder Daten als gegeben hin. In der sinnvoll digitalisierten Produktion hat jedoch jede Information ihren Platz und wird stets von jedem gefunden. Allerdings geht auch das nicht ohne Sortieren, Systematik und Disziplin bei Eingabe und Verwaltung der Daten.

Ziel der Digitalisierung ist nicht nur, Zeit- und Ressourcenverschwendung zu minimieren, sondern auch, nicht wertschöpfende Arbeit oder Nachbesserung zu eliminieren – etwa die Mehrfacheingabe von Daten in verschiedene Systeme. Idealerweise wird jede Information nur einmal erfasst und steht dann – im besten 5S-Sinne – überall im Unternehmen ohne langes Suchen zur Verfügung – selbst dann, wenn ein Mitarbeiter krank ist oder ausscheidet. Sind diese Voraussetzungen geschaffen, können mithilfe von Konnektivität in der digitalisierten Fabrik Effizienz, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit deutlich gesteigert werden.

Warum Experten für die digitale Transformation fragen?

Für die digitale Transformation müssen Unternehmen das Rad nicht neu erfinden und alles selbst machen. Ebenso wenig müssen sie ihre Arbeitsweise vorgegebenen Standardlösungen anpassen. Vielmehr entwickeln Experten wie Lantek Software-Systeme, die auf die Bedürfnisse der Blechbearbeitung zugeschnitten sind – von der Angebotskalkulation über Produktion, Rechnungsstellung und Lagerverwaltung bis zur Kooperation von Standorten oder Organisation von Unternehmensallianzen. Aus einzelnen Modulen entwickeln die Experten Gesamtlösungen, die genau zum Unternehmen passen.

Ebenso müssen Unternehmen nicht von heute auf morgen komplett auf Industrie 4.0 umstellen. Die IT-Experten ermitteln zunächst ihren Entwicklungsstand – ihre digitale Reife – und begleiten sie dann Schritt für Schritt auf ihrem individuellen Weg. Am besten gelingt dies mit offenen Systemen, die allen aktuell gängigen Standards entsprechen, damit der Betrieb künftige Veränderungen problemlos mitgehen kann. Die Software von Lantek ist mit vielen anderen Systemen kompatibel und arbeitet maschinenunabhängig. So kann sie auch ältere Modelle integrieren und lässt den Unternehmen Freiheit bei der Weiterentwicklung ihrer Maschinenparks.

Was bringt digitalisierte Fertigung?

  • An wenigen zentralen Stellen der Prozesskette lassen sich die Vorteile von Konnektivität, also des vernetzten Arbeitens verschiedener Systeme und Abteilungen, verdeutlichen. Alles beginnt mit dem Angebot – ein wunder Punkt für viele. Muss der Kunde zu lange darauf warten, geht er zur Konkurrenz. Wird zu hastig kalkuliert, kann das den Betrieb viel Geld kosten.
    Für eine genaue Kalkulation reicht es nicht aus, alle Kosten in einer Tabelle zu erfassen und dann ein paar Variablen einzugeben, um den Preis zu ermitteln. Ein exaktes Angebot muss sämtliche Faktoren aus Fertigung und Betrieb minutenaktuell einbeziehen: Verfügbarkeit von Personal, Material und Maschinenkapazitäten, die Rohstoff-, Herstellungs- und Transportkosten sowie individuelle Kundentarife. Ohne digitale Vernetzung ist das nahezu unmöglich.
  • Moderne Systeme für die Angebotserstellung werden auch Configure-Price-Quote-Software (CPQ-Software) genannt, weil sie vom Kunden angefragte Produkte oder Dienstleistungen individuell konfigurieren (configure), dann in Kooperation mit anderen Systemen im Betrieb den Preis ermitteln (price) und daraus direkt das Angebot erstellen (quote). Ein solches Softwaretool ist „Lantek iQuoting“, mit dem auch Verkäufer oder Kalkulierer ohne jegliche technische Kenntnis schnell und verlässlich Angebote erstellen können.
  • Nimmt ein Kunde das Angebot an, muss im Betrieb meist danach gesucht werden, bevor alle Daten wie Geometrie, Zeichnungsnummer, Stückzahlen, Material und Maschinen per Hand ins CAD/CAM-System übertragen werden. Das dauert im Schnitt 10 min pro Auftrag mit einem Blechteil. Bei zehn Aufträgen pro Tag kommen da stolze elf Wochen jährlich zusammen, in denen die Mitarbeiter damit beschäftigt sind, Auftragsdaten zu übertragen.
  • Ein digital vernetztes System übernimmt alle relevanten Informationen mit wenigen Klicks automatisch aus dem Angebot in die Arbeitsvorbereitung. Im Idealfall erfolgte mithilfe einer CPQ-Software die Schachtelung bereits für das Angebot. Der Produkt-Konfigurator stellt dann die Verbindung zwischen Vertrieb und technischer Produktion dar und entwickelt nach der Angebotsbestätigung ein Programm, mit dem umgehend die Produktion der Teile beginnen kann.
  • Das vernetzte Gesamtsystem kennt zudem alle Aufträge und die für jedes Teil erforderlichen Produktionsschritte sowie den Materialbedarf. Es terminiert die Bearbeitung und fasst Positionen gleicher Materialstärken zusammen, um einmal aufgelegte Bleche so gut wie möglich zu nutzen. Zudem hat es die Gesamtheit aktueller und anstehender Aufträge sowie Wartungspläne im Blick und kann Systemausfälle oder Störungen besser auffangen. Es korrigiert Bestandsprobleme, kompensiert Arbeitslasten automatisch und generiert Warnhinweise, sollten Liefertermine gefährdet sein.

Kommen Unternehmen mit vernetzten Systemen schneller an ihr Geld?

Nicht unbeträchtlich sind auch die Vorteile digitaler Systeme für das Rechnungswesen. Unternehmen verlieren an jedem Tag, an dem eine Rechnung nicht beim Kunden ist, Geld. Für die Buchhaltung ist es aber mitunter nicht leicht zu wissen, ob und wann die Rechnungsstellung fällig ist – bei Fertigstellung der Ware oder nach Lieferung – und manchmal müssen auch noch zugekaufte Leistungen berechnet werden. Im integrierten System sieht die Buchhaltung, was alles zum Auftrag gehört, wann er abgeschlossen und wie sein Lieferstatus ist. Und sie hat sämtliche Daten vor allem digital vorliegen, um sie in die Rechnung zu übernehmen. In der digitalisierten Fabrik passen Lagerverwaltung und Einkauf die Materialbestände zeitnah dem aktuellen Bedarf an.

Was kann die Cloud wirklich?

Digitalisierung und Automatisierung haben im Verlauf des vergangenen Jahres für die Branche ihren Schrecken verloren – dennoch zögern viele Blechbearbeiter bei Cloud-Anwendungen. Dabei bietet die bedarfsgerechte Nutzung von Software, Speicherplatz und Rechenleistungen über Datennetzwerke viele Vorteile. Für Bereitstellung und Pflege erforderlicher Soft- und Hardware ist der Dienstleister zuständig, was eigene Systeme entlastet und dem Unternehmen Kosten für Personal und Ausstattung spart. Die monatliche Gebühr macht die Ausgaben für den Cloud-Dienst dauerhaft kalkulierbar.

  • In Deutschland setzten 2018 drei von vier Unternehmen auf Rechenleistungen aus der Cloud, wie eine repräsentative Umfrage von Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.) zeigt. Im Vorjahr bestätigten lediglich zwei Drittel der Unternehmen bei der gleichen Umfrage, Cloud-Lösungen zu nutzen. Wie die Studie zeigt, können und wollen die meisten Betriebe darauf nicht mehr verzichten, haben sie erst einmal die Vorzüge kennengelernt. Jedoch ist vielen wichtig, dass die Anbieter die Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung beachten und die Daten nicht nur im Cloud-Netzwerk vor fremdem Zugriff geschützt sind, sondern auch auf der Datenautobahn zwischen Unternehmen und Cloud.
  • In der Fortentwicklung der vernetzten Fabrik schenken Cloud-Lösungen auch der Blechbearbeitung neue Flexibilität und machen neue Anwendungen sowie zukunftsfähige Geschäftsmodelle möglich. Durch den passwortgeschützten Zugriff auf die Produktions- und Unternehmensdaten haben Verantwortliche jederzeit einen Überblick über den gesamten Betrieb und können kurzfristig reagieren. Cloudbasierte Analysetools geben wertvolle Hinweise für die strategische Unternehmensführung. So lassen sich in der Kundenanalyse Verhaltensweisen wie Bestellhäufigkeit, Mengen, durchschnittliche Fertigungsdauer und Fertigungskosten der Aufträge und auch durchschnittliche Margen pro Kunde ermitteln. Damit können Unternehmen besser planen und ihre Rentabilität pro Kunde steigern. In der Fertigungsanalyse können mit Cloud-Lösungen für eine fortschrittliche Produktion alle Informationen des Fertigungssystems gesammelt, gefiltert, gruppiert und verknüpft werden, um auf Basis zuverlässiger und stets aktueller Daten zu entscheiden.
  • Zu den wichtigsten Parametern der Fertigungsanalyse gehört die Gesamtanlageneffektivität (OEE, Overall Equipment Effectiveness), die für jede Maschine die Verfügbarkeit, Leistung und Qualität der Arbeit ermittelt. In Verbindung mit CPQ-Software zur Angebotserstellung eröffnet ein cloudbasierter Web-Shop neue Vertriebswege: Kunden können über das Portal Angebote anfragen und auch selbst bestätigen. Web-Shops gewinnen für die Kundenbindung und -gewinnung gerade in jüngster Zeit an Bedeutung.

Eine Cloud speziell für Blechbearbeiter

Mit „Lantek 360“ hat Lantek eine Cloud-Plattform entwickelt, die auf die Bedürfnisse der Blechbearbeitung zugeschnitten ist. Das Sicherheitstool „SherLock“ garantiert den Schutz des Datentransfers zwischen Kunden-Server und Cloud. Es sichert auch die Daten des „Lantek MetalShop“. Mit dieser Cloud-Software können Blechbearbeiter ihren eigenen Onlineshop „bauen“. Darin können ihre Kunden dann rund um die Uhr und von überall selbstständig Daten für Teile hochladen und bekommen in Sekundenschnelle ein valides Angebot. Dieses basiert auf realen Daten aus der Lantek-Softwaresuite des Unternehmens. Bestätigt der Kunde ebenso online das Angebot, bekommt er anschließend auf gleichem Wege auch die Rechnung. Insbesondere jüngere Fachkräfte in der Branche schätzen diesen Weg, im Einkauf sowie auch im Verkauf.

Wie passen vernetzte Produktion und Internet-Shop zusammen?

Eng verbunden mit dem Lantek Metal Shop ist das bereits erwähnte „Lantek iQuoting“. Ebenfalls cloudbasiert, führt es für die Kalkulation von Angeboten alle relevanten Faktoren zusammen: Kundentarife, Material- und Produktionskosten sowie Materialverfügbarkeit, Lieferzeiten und Logistik. Wird das Angebot zum Auftrag, kann über iQuoting der Status der Produktion verfolgt und auch abschließend die Rechnung erstellt werden.

Eine gut strukturierte Datenbank erspart Unternehmen nicht nur die Mehrfacheingabe und Suche von Daten, sondern sie ermöglicht auch deren Analyse zur Optimierung von Kundenbeziehungen und Fertigung.

Die cloudbasierte Software zur Geschäftsanalytik „Lantek Analytics“ extrahiert alle relevanten Daten in die Cloud und analysiert sie in Echtzeit. Mit dem Modul „Manufacturing Analytics“ können Engpässe in der Produktion, Ausschussaufkommen, Schrottverteilung oder Fertigungsmuster erkannt werden, wenn etwa Kapazitäten verändert oder Teile der Produktion ausgelagert werden sollen. Das Tool „Customer Analytics“ zur Kundenanalyse kann den Kundenstamm zur näheren Betrachtung der Geschäftsbeziehungen nach Umsatzbeitrag am Gesamtergebnis filtern, die geografische Verteilung darstellen und auch zeitgefilterte Aussagen pro Kunde machen.

Sind Digitalisierung und im zweiten Schritt cloudbasierte Lösungen passgenau ins Unternehmen integriert, können sie die Blechbearbeitung auf eine neue Ebene heben – mit einer effizienteren, anpassungsfähigeren Produktion, schlankeren, optimierten Prozessen im Betrieb und neuen Angeboten, die sich vom Wettbewerb abheben.

Autor: Christoph Lenhard

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