Beidseitiges Anbiegen im Taktverfahren ohne Blechwelligkeiten in den Anbiegekanten: Das ermöglicht Graebener mit einer Neuentwicklung für die Großrohrfertigung.
Foto: Graebener

Rohrbiegen

Ohne Blechwelligkeiten: große Rohre beidseitig anbiegen

Beidseitiges Anbiegen im Taktverfahren ohne Blechwelligkeiten in den Anbiegekanten bietet eine Graebener-Innovation für die Großrohrfertigung.

Zum Ende des Jahres 2019 hat Graebener an die Eisenbau Krämer GmbH (EBK), spezialisiert auf die Fertigung von Stahlgroßrohren, eine Zwei-Seiten-Anbiegepresse für die Fertigung von dickwandigen Großrohren geliefert, die das Anbiegeverfahren deutlich verbessert.

Eine neue Lösung für EBK

EBK setzte für den Anbiegeprozess bisher klassische Rollenanbiegemaschinen ein. Beim Rollenanbiegen fahren Ober- und Unterrolle parallel am Blech entlang, wodurch die Blechlängskante den entsprechenden Radius erhält. Dieses Standardverfahren wird seit Jahrzehnten bei vielen Firmen eingesetzt. Nachteil des Verfahrens ist allerdings die Ausdünnung des Materials, die eine aufwendige Nacharbeit nach sich zieht. Enorm gestiegene Anforderungen an Rohrtoleranzen und -schweißnähte machen es den Rohrfertigern zunehmend schwer, diese einzuhalten – vor allem wenn es um die Fertigung hochqualitativer Spezialrohre für die Gas- und Ölindustrie geht. EBK hat für eine neue Lösung das Siegerländer Unternehmen Graebener ins Boot geholt.

Gleichzeitiges Anbiegen ohne Welligkeiten

Die Zwei-Seiten-Anbiegepresse von Graebener ist im Gegensatz zur Rollenanbiegemaschine für das gleichzeitige Anbiegen beider Blechlängskanten im Durchtaktverfahren ausgelegt. Während das Blech nach und nach durch die Maschine geführt wird, werden dessen längsseitige Kanten jeweils mittels Ober- und Unterwerkzeug auf den entsprechenden Radius gebogen. Quetschkanten und ein Auswalzen der Bleche im Endbereich können damit ausgeschlossen werden.
Diese nicht gänzlich neue Methode verursachte bisher allerdings Blechwelligkeiten über die Länge der Anbiegekanten. Für die Fertigung eines perfekten Schlitzrohrs sind jedoch eine einwandfreie Schweißnaht und damit das Erreichen eines Null-Spaltes ohne Kantenversatz erforderlich. Andernfalls müssten die Welligkeiten mit aufwändiger Nacharbeit durch mehrfaches Kalibrieren egalisiert werden. Für eine wirtschaftliche Fertigung müssen Welligkeiten deshalb ausgeschlossen werden.

Richtig ausgelegte Werkzeuge für optimale Ergebnisse

Die bewährte Zwei-Seiten-Anbiegepressen hat Graebener jüngst gemeinsam mit EBK optimiert. Das Geheimnis: richtig ausgelegte Werkzeuge. Die Werkzeugkontur wurde derart optimiert, dass Blechwelligkeiten in den Anbiegekanten nun gänzlich der Vergangenheit angehören. So wird mit der Zwei-Seiten-Anbiegepresse ein herausragendes Ergebnis erzielt: eine 100prozentige Formgebung des Rohres, also ein Schlitzrohr mit Null-Spalt ohne Kantenversatz und einer perfekten Schweißnahtvorbereitung.
„Unsere Graebener-Anbiegepresse arbeitet so präzise, dass wir die zusätzliche Prozesszeit auf der Kalibrierpresse nun deutlich reduzieren können,“ so Dr. Scott McCann, Technischer Geschäftsführer bei EBK.

Das Problem der Blechwelligkeit

Die Presse ist für alle im Rohrbau gängigen Stahlsorten geeignet, insbesondere auch für Clad-Materialien. Sie kann zudem Bleche mit großen Wanddicken in hohen Stahlqualitäten und in Sondergüten verarbeiten. Die für das Anbiegen notwendigen Umformwerkzeuge sind kosteneffizient konstruiert und können jeweils für einen größeren Rohrdurchmesserbereich mit jeweils verschiedenen Blechdicken eingesetzt werden.
Hubertus Valpertz, Prokurist und Leiter Technischer Vertrieb bei Graebener nennt einen weiteren Vorteil: „Bei unserem Verfahren entsteht eine gleichbleibende Anbiegung über die gesamte Blechlänge, das heißt auch am Anfang und Ende des herzustellenden Rohres. Durch diese gleichbleibende Form kann im Gegensatz zum klassischen Rollenanbiegeverfahren die gesamte Blechlänge weiterverarbeitet werden, wodurch das zuvor erforderliche Abtrennen beider Rohrenden entfällt.

Überzeugende Technologie für große Rohre

EBK vertraut seit vielen Jahrzehnten auf Graebener und deren Know-how im Bereich der Materialumformung. Dieter Kapp, geschäftsführender Gesellschafter bei Graebener, setzt große Hoffnung in die ausgefeilte Technologie: „Die Anbiegeergebnisse mit unserer Presse sind für Wandstärken von mehr 50 mm absolut einzigartig. Egal wie genau früher gearbeitet wurde, in diesem Wandstärkenbereich war es mit den bis dato vorhandenen Technologien rein physikalisch nicht machbar, Welligkeiten über die gesamte Rohrlänge hinweg auszuschließen. Dieses Kapitel ist nun Geschichte. Ich bin absolut überzeugt, dass sich unsere Lösung schon bald am Markt durchsetzen wird.“

Oberflächentechnik

So wird der Kurzschluss im Elektromotor verhindert

Schwertbürsten von Wandres entfernen partikuläre Verunreinigungen vom Blechband. Durch die sauberen Elektrobänder lassen sich Kurzschlüsse in E-Motoren vermeiden.

Messtechnik + Prüftechnik

Universelles Tiefzieh-Prüfsystem

Zwick Roells neue Tiefzieh-Prüfeinrichtung beherrscht für unterschiedliche Verfahren und wird auf der Fahrtraverse der Materialprüfmaschine montiert.

Laserschneiden

Laserkolloquium Wasserstoff: Brennstoffzellen im Fokus

Am 18. März 2020 veranstaltet das Fraunhofer ILT das erste "Laserkolloquium Wasserstoff". Ein großes Thema ist die Herstellung von Brennstoffzellen.

Fügen + Verbinden

Weiterentwicklungen beim einseitigen Punktschweißen

Eine Nimak-Entwicklung beim einseitigen Punktschweißen eröffnet neue Möglichkeiten für Leichtbau-Fügeprozesse und wurde für den Waggonbau entwickelt.