Roberto Anselmi an der „FACE“-Schnittstelle.
Foto: Salvagnini

Software

Salvagnini: Benutzernahe Maschinen-Steuerung

Die nach der Design-Thinking-Methode entwickelte Steuerung für Salvagnini-Maschinen stellt den Menschen in den Mittelpunkt und überzeugt ihre Anwender.

Salvagnini hat sich bei der Entwicklung seiner neuen Steuerung "FACE" die geänderten Ziele der Industrieautoamtion umgesetzt. Stand früher die optimierte Technik im Fokus, ist es heute immer mehr der Mensch als Anwender im Mittelpunkt. In diesem Kontext legen Unternehmen immer öfter auf nutzer- oder menschzentrierte Konstruktion (User-centered design/Human-centered Design) wert. Im Ergebnis entstehen damit Konstruktionen, die sich an der Nutzererfahrung (User Experience Design) oder am Design Thinking orientieren.

Zusammen mit dem Beratungsunternehmen Niew hat Salvagnini seine Steuerungssoftware überarbeitet, optimiert und im Herbst 2019 vorgestellt. Über erste Erfahrungen berichten Anwender des Blechbearbeitungsspezialisten Tecno 3FP in Cerea.

Design-Thinking-Ansatz als Basis

Methoden der anwenderzentrierten Innovationsprozesse stellen den Adressaten und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt einer Konstruktion. Durch die Verknüpfung der Anwendererfahrung mit dem Entwicklungsprozess werden Schwachstellen eines Produkts ebenso identifiziert wie dessen Stärken. Innovative Werkzeugmaschinenhersteller haben deshalb begonnen, ihre Erneuerungsprojekte auf Grundlage der Design-Thinking-Methode anzugehen.

So arbeitet Salvagnini , eines der führenden Unternehmen in der Entwicklung von Blechbearbeitungssystemen, seit einigen Jahren an der Erneuerung seiner Software. In dieses Projekt wurde Niew, ein strategisches Beratungsunternehmen mit umfassender Erfahrung im Industriebereich, einbezogen. Niew ist erfahren und in der Lage, Design-Thinking-Methoden mit großem Know-how und ausgeprägtem Verständnis für die digitale Welt in konkreten Entwicklungsprojekten umzusetzen.

Anfang 2017 starteten Salvagnini und Niew mit der Überarbeitung der Salvagnini-Steuerungen für Werkzeugmaschinen. Zentraler Aspekt dabei war es, die Kunden und Anwender der Maschine einzubeziehen. Der Gemba-Walk, wie die Lean-Bezeichnung für die Vor-Ort-Recherche bei der Produktanwendung lautet, ermöglichte, den Wert beziehungsweise den Nicht-Wert dort zu erkennen, wo er entsteht – nämlich bei der Interaktion zwischen Anwender und Produkt.

Erfolgsrezept: Kooperativer Ansatz

Mit einem straffen, kooperativen und messbaren Ansatz war es möglich, eine neue Mensch-Maschine-Schnittstelle zu entwickeln, die gleichermaßen den Bedürfnissen des Marktes wie denen des Unternehmens gerecht wird. Und zwar sowohl hinsichtlich der Anwender, vom Maschinenbediener bis zum an der Installation beteiligten Abnahmetechniker, als auch der Stakeholder und indirekten Adressaten wie der Geschäftsleitung.

Das Ergebnis dieser Entwicklungen ist eine neue, intuitive und flexible Mensch-Maschine- Schnittstelle, die unter der Bezeichnung „FACE“ vermarktet wird. Seit September vergangenen Jahres wird Face auf die gesamte Produktpalette der Salvagnini-Gruppe angewandt.

Face zeichne sich durch seine einfache Anwendung und die fortschrittlichen Funktionsmerkmale aus und werde auf dem Markt mit großem Interesse aufgenommen, heißt es. Die Verleihung von Design-Auszeichnungen wie dem Red Dot Award 2019 und dem German Design Award 2020 unterstreichen diese Entwicklung.

Positive Marktresonanz

Die Mensch-Maschine-Schnittstelle spielt in der Industrie eine wichtige Rolle in Bezug darauf, wie eine Maschine wertmäßig eingeschätzt wird. Schließlich ist der Einfluss der HMI nicht zu unterschätzen, wenn es um den effizienten Einsatz moderner automatisierter Produktionstechnik geht. Dabei ist zu berücksichtigen, dass durch die allgemeine Verfügbarkeit digitaler Techniken die Anwender bei Werkzeugmaschinen heute ähnliche Maßstäbe an Benutzerfreundlichkeit und Zugänglichkeit erwarten, wie sie bei digitalen Konsumgütern tun.

Erfahrene Anwender als Tester

Das auf Blechbearbeitung spezialisierte Unternehmen Tecno 3FP in Cerea (Verona, Italien) konnte Face schon einige Zeit einsetzen und erproben. Über die Erfahrungen berichtet Roberto Anselmi, Leiter der Abkantpressenabteilung.

„Die Salvagnini-Systeme von heute sind im Vergleich zu früher enorm weiterentwickelt. Und ich weiß, wovon ich spreche, denn ich arbeite seit mehr als zwanzig Jahren mit Abkantpressen. Früher hatten wir nichts als ein Lineal, einen Markierstift, unsere Kreativität und unseren Enthusiasmus. Heute können wir uns auf moderne Maschinen und Werkzeuge sowie auf spezielle, für das zu produzierende Teil angefertigte Matrizen und Stanzwerkzeuge verlassen. Aber ich bin mir sicher, dass die Technologie sogar noch mehr erreichen kann.“

Roberto Anselmi hat mehr als zwanzig Jahre Erfahrung in der Blechbearbeitung. In dieser Zeitspanne habe sich der Produktionskontext komplett verändert. „Im Laufe der Jahre habe ich viele verschiedene Marken, Modelle und Ausführungen von Abkantpressen sowie deren Software verwendet: Sie können mir glauben, dass in Bezug auf Software und Schnittstelle eine einfache, intuitive Anwendung eine große Hilfe darstellt.“

Face biete dabei einen enormen Vorteil: Alles sei sofort klar und verfügbar. Er kenne andere Schnittstellen, die völlig anders arbeiten. Der Bediener müsse seine Arbeit unterbrechen und alles, was für die Abwicklung des Abkantvorgangs benötigt werde, an verschiedenen Stellen suchen. Untermenü für Untermenü.

Das Wichtige ist auf dem Bildschirm

„Mit Face ist das nicht nötig, bei Face brauchen Sie nur lesen: Alles ist auf dem Monitor mit wenigen Klicks verfügbar. Ich denke, dass ist ein wirklich großer Fortschritt. Hinzu kommt, dass ich Maus und Tastatur nicht mehr brauche und jetzt mit einem Touchscreen arbeite. Ich muss das Programm nicht mit zwei Händen verwalten, eine reicht: Mit der einen Hand kümmere ich mich um die Zeichnungen und mit der anderen arbeite ich auf der Konsole. Es mag Ihnen banal erscheinen, aber wenn Sie mit Maus und Tastatur arbeiten, werden beide Hände benötigt, um die Maschine zu bedienen, auch wenn Sie die Zeichnung betrachten müssen. Zwei Tätigkeiten gleichzeitig statt einer – das steigert das Fehlerrisiko erheblich.“

Die Steuerung in der Praxis

Die Umsetzungs- und Einlernzeiten sind ein weiterer entscheidender Faktor bei der Einführung einer neuen Mensch-Maschine-Schnittstelle.

„Ich glaube, es ist recht einfach, einen erfahrenen Bediener wie mich einzulernen: Es dauert nicht lange, bis man das Funktionsprinzip der Face verstanden hat. Ein wenig erfahrener Bediener benötigt vielleicht eine umfassendere Ausbildung, aber ein Tag ist mehr als genug – Sie müssen ganz sicher sein, dass er korrekt mit der Maschine umgehen kann. Natürlich ist es nicht möglich, alle Fehlerrisiken zu beseitigen, insbesondere bei einer Tätigkeit wie der Abkantung mit einem erheblichen Anteil menschlicher Beteiligung: Aber Face ist so praktisch und intuitiv, dass wir sie als nahezu fehlersicher betrachten können.“

Und im Rückblick auf das mehr als zwei Jahre dauernde Projekt freut sich Stefano Carobin, der als Test Engineer bei Salvagnini Robotica unmittelbar an der Entwicklung der Schnittstelle beteiligt war:

„Robertos Worte sind eine große Genugtuung für uns, denn genau das hatten wir zu Beginn der Entwicklung von Face im Sinn: Die Anwendung der Abkantpresse einfach gestalten. Wir können sagen, dass dieses Ziel definitiv erreicht wurde. Und wenn Face so reich an neuen Funktionen ist, dann liegt das genau daran, dass es nach einer systematischen Analyse der Anwendungsart seitens unserer Kunden entwickelt wurde.“

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