Die 60 Jahre alten Neff-Pressen im Einsatz an den Montageplätzen bei Anuba.
Foto: Kuhn

Umformtechnik

Pressen-Oldie seit 60 Jahren im Einsatz

Einige der ältesten Pressen der Walter Neff GmbH sind auch heute noch bei der Anuba AG in der Produktion von Türbändern im Produktionseinsatz.

Bereits seit 1953 produziert die Anuba AG in Vöhrenbach an der Breg im Schwarzwald eine breite Palette an Metallwaren sowie Beschlägen für Möbel, Türen, Tore und Fenster. Das Angebot reicht vom einfachen Band bis hin zu Hightech-Sicherheitsbeschlägen. In der weit verzweigten Produktion finden sich neben neuen und modernen Maschinen und Anlagen auch mehrere über 60 Jahre alte Montagepressen der Walter Neff GmbH Maschinenbau die heute noch ihre Dienste für aktuelle Produkte der Anuba AG erfüllen. Auf der Suche nach den ältesten, noch heute im Einsatz befindlichen Pressen, hatte die Walter Neff GmbH Maschinenbau in Karlsruhe einen Wettbewerb ausgeschrieben und Unternehmen mit einer Auszeichnung bedacht. Neben der Mercedes Benz AG in Gaggenau wurde Neff mit der Anuba AG in Vöhrenbach, Schwarzwald bei einem weiteren Anwender fündig.

Vielfalt der Beschlagtechnik

Der Name Anuba steht heute als Synonym für moderne Beschlagtechnik für Möbel, Türen, Tore und Fenster. Bekannt sind die Einbohrbänder, Spezial- und Sicherheits-Türbänder und Scharniere aus Stahl, Edelstahl, Zinkdruckguss und Aluminium. Über 300 verschiedene Produkte bietet Anuba derzeit im Markt an – zu 85 % handelt es sich dabei um Katalogware, der Rest sind Sonderanfertigungen. Im Jahr 1852 hat Xaver Heine den Betrieb in Vöhrenbach gegründet und gilt somit als einer der Väter und Förderer der Industrialisierung im Schwarzwald schlechthin. Begonnen hat er mit gefrästen Volltrieben für die Uhrenindustrie. Seine Maschinen und Vorrichtungen für die Produktion dieser filigranen und komplizierten Zahnräder stellte er in der eigenen Werkstatt her.Parallel dazu entwickelte sich das Unternehmen auch zu einem bedeutenden Hersteller von Schrauben und Fassondrehteilen für Armaturen und den Maschinenbau. Die Triebe- & Schraubenfabrik X. Heine & Sohn wuchs bis 1888 auf einen stattlichen Betrieb mit 90 Mitarbeitern   während des zweiten Weltkrieges sogar bis auf 550 Beschäftigte.

Im Jahre 1953 tauchte zum ersten Mal der Name Anuba im Produktionsprogramm auf. Unter dem bekannten Markennamen „Anuba-Bänder“ produziert das Schwarzwälder Unternehmen bis heute Spezial-Einbohrbänder. Auf der Grundlage zahlreicher eigener Patente und Schutzrechte entwickelte sich die X. Heine & Sohn GmbH zu einem hochspezialisierten Unternehmen stets aktueller und moderner Beschlagtechnik.

Maschinenpark aus bewährter und moderner Technik

Für die umfangreiche Produktionspalette an Beschlagtechnik für Möbel, Türen, Tore und Fenster setzt man in Vöhrenbach auf einen umfangreichen und modernen Maschinenpark namhafter Hersteller. Kaltfließpressen, Mehrstufenpressen, Maschinen zum Gewindewalzen, Bohrtechnik, Umformpressen, Kunststoff-Spritzgießmaschinen, aktuelle Laserschweißtechnik und Montageanlagen sowie Oberflächentechnik finden sich der weit verzweigten und durch einen hohen Automatisierungsgrad geprägten Produktion wieder. „Zahlreiche Maschinen und Anlagen haben wir unseren Bedürfnissen entsprechend modifiziert und an den Materialfluss angepasst. Das machen wir hier in Vöhrenbach selbst“, erläutert Willy A, Rombach, Geschäftsführer und Technischer Leiter der Anuba AG.

Stolz ist man in Vöhrenbach insbesondere auf den eigenen Werkzeug- und Vorrichtungsbau und darauf, dass Anuba bereits 1996 als der erste deutsche Einbohrband-Hersteller nach ISO 9001 für sein betriebsübergreifendes und einheitliches Qualitätsmanagementsystem zertifiziert wurde.

„Eine Besonderheit unserer Produktion sind die Montagepressen“, sagt Rombach. „Die ersten haben wir bereits in den 50er Jahren angeschafft.“ Rombach erinnert sich, dass es wohl 1956 war, als die erste dieser bei Anuba zahlreich vorhandenen Neff-Pressen installiert wurden. Insgesamt waren es etwa 20 Maschinen. Die ersten Original-Anuba-Bänder – jeweils Stift und Rollenkörper – wurden bei der Montage mithilfe dieser Neff-Pressen miteinander verpresst. Millionen von Anuba-Bändern wurden so gefertigt. Erst später wurden sie verschweißt. Die Installation war wohl nicht sehr komplex, denn diese Pressen mit der Typenbezeichnung 2S 12 wurden steckerfertig geliefert und konnten sofort in Betrieb genommen werden. Es sind Öl-Hydraulische Einständerpressen mit 2 t Presskraft und sie wiegen selbst nur 250 kg.

Wiederbelebung der Geschäftsbeziehungen

„Einige der Neff-Pressen, damals noch im württembergischen Urach von Walter Neff gebaut, wurden permanent für unterschiedliche Aufgaben fit gehalten“, erklärt Valentin Lesar, Anwendungstechniker bei der Anuba AG und für den gesamten Maschinenpark in Vöhrenbach verantwortlich. Mehrere der damals installierten Neff-Pressen sind heute noch, nach über 60 Jahren in Betrieb. Sie werden vorwiegend für Montagearbeiten der Bänder und Beschläge eingesetzt. Je nach Aufgabe, werden sie mit unterschiedlichen Werkzeugen bestückt. Es ist wohl dem klassischen deutschen Maschinenbau von Walter Neff zu verdanken, dass seine Pressen noch für die moderne Beschlagtechnik im Einsatz sind. „Als wir davon erfuhren, dass die Walter Neff GmbH Maschinenbau auf der Suche nach Pressen-Oldies ist, haben wir uns am Wettbewerb beteiligt“, sagt Rombach.

Seit der Investition der letzten Uracher Neff-Presse hatte Anuba keinen Kontakt mehr zum Hersteller Neff. „Jetzt“, so Rombach, „wurde dieser nach über 40 Jahren wieder belebt.“ Für Oliver Dörmann, Geschäftsführer der Walter Neff GmbH Maschinenbau dürfte dies zu einem Glücksfall werden. Wie Willy A. Rombach andeutete ist er derzeit an der Investition in eine neue Neff-Kaltfließpresse interessiert. Die ersten Gespräche laufen bereits.

Dietmar Kuhn

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