Beim Bau des Pavillons nutzte das Team verschiedene Stoffkreisläufe für Struktur, Fassade, Boden und Innenausstattung: Die tragende Struktur beispielsweise ist komplett aus Stahl gefertigt, der größtenteils aus einem zurückgebauten Kohlekraftwerk.
Foto: Zooey Braun

Werkstoffe

Wertvollen Rohstoffen ein zweites Leben geschenkt

Mit einem Pavillon aus Recycling-Material zeigt das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), wie Nachhaltigkeit im Bauwesen aussehen kann.

Studierende, Forscher und Professoren des KIT realisieren gemeinsam mit dem Architektenbüro 2hs den Mehr.Wert.Pavillon auf der Bundesgartenschau Heilbronn 2019, die am 17. April eröffnet wurde.

Einweihung am 2. Mai 2019

Der Mehr.Wert.Pavillon ist Teil des sogenannten Mehr.Wert.Gartens, eines Partnerprojekts des Umweltministeriums Baden-Württemberg mit den Entsorgungsbetrieben der Stadt Heilbronn, und liegt im Experimentierfeld der Bundesgartenschau Heilbronn 2019, dem sogenannten Inzwischenland. Die Einweihung des Pavillons und Gartens findet in einem eigenen Rahmen am 02.Mai 2019 mit Umweltminister Franz Untersteller und Baubürgermeister Wilfried Hajek statt.

Der Mehr.Wert.Pavillon und -Garten erforschen die Frage, wie wir und die Generationen nach uns gut leben können, und wie wir es schaffen, unsere Wirtschaft positiv zu entwickeln, wenn die natürlichen Ressourcen unserer Erde knapper werden.

Kreatives Teamwork

Entworfen und gebaut haben den Pavillon Studierende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) unter Mitwirkung der Professuren Nachhaltiges Bauen (Dirk E. Hebel, Felix Heisel und Karsten Schlesier), Tragwerkslehre (Matthias Pfeifer) und Bautechnologie (Rosemarie Wagner) sowie das Büro 2hs mit Lisa Krämer und Simon Sommer.
„Es war uns wichtig, dass nachhaltige Architektur attraktiv und relevant sein muss. Gerade im Bauwesen ist ein Umdenken möglich, denn wir sind heute schon in der Lage die Kreislaufwirtschaft im Bau zu etablieren, wir müssen es nur wollen und dann auch tun.“ sagt Dirk E. Hebel, Professor für Nachhaltiges Bauen am KIT zum Projekt.

Vorhandene Ressourcen nutzen

Das Projekt Mehr.Wert.Pavillon demonstriert einen innovativen und sinnvollen Einsatz vorhandener Ressourcen:

Alle im Projekt eingesetzten Materialien haben bereits mindestens einen Lebenszyklus durchlaufen, entweder in gleichbleibender oder veränderter Gestalt.

  • Ebenfalls sind alle Materialien sortenrein verbaut und nach dem Rückbau wiederum komplett trennbar. Bei dem Projekt kommen keinerlei Kleber, Silikonfugen, Anstriche oder sonstigen Imprägnierungen zum Einsatz.

„Damit bedient sich das Projekt einerseits der bestehenden urbanen Mine, aber stellt gleichzeitig auch ein Materiallager dar, dessen Ressourcen nach der Bundesgartenschau wieder vollständig zur Verfügung stehen“, erklärt Felix Heisel, Projektleiter und Partner im Büro 2hs.

Das Konzept einer stofflichen Schichtung

Die tragende Struktur ist komplett aus Stahl gefertigt, welcher größtenteils aus einem zurückgebauten Kohlekraftwerk in Nordrhein-Westfalen stammt.

  • Die Fassade zeigt wiederverwertete Glasmaterialien aus dem Glascontainer, wie Glaskeramik oder Schaumglas.

  • Die Bodenflächen im Garten und unter dem Pavillon sind mit mineralischen Bauabruchstoffen belegt, welche direkt oder in weiterverarbeiteter Form von Recyclinghöfen stammen.

  • Die Möbel und Einbauten sind aus wiederverWerteten Kunststoffmaterialien hergestellt.

Struktur

Wiederverwendete Stahlrohre stammen aus dem inzwischen rückgebauten Kraftwerk Kneppers und wurden von der Firma Hagedorn GmbH im Zuge der Rückbaumaßnahmen für den Mehr.Wert.Pavillon bereitgestellt. Neben einer genauen Sichtprüfung zur Feststellung möglicher Beschädigungen der Elemente wurde der Stahl auf verschiedene Eigenschaften untersucht. Prüfungen in den Laboratorien der KIT Architekturfakultät (Prof. Pfeifer und Prof. Wagner) sowie der KIT Versuchsanstalt für Stahl, Holz und Steine auf Zugfestigkeit, Elastizität, Kerbschlagzähigkeit und chemische Zusammensetzung ermöglichten es, die notwendigen Aussagen über die Materialqualität zu treffen.
„Aus ingenieurtechnischer Sicht steht der Wiederverwendung von Baumaterialien in tragenden Anwendungen nichts entgegen, sofern deren MaterialkennWerte bekannt und überprüfbar sind“, so Karsten Schlesier, Tragwerksplaner im Büro 2hs.

Fassade

Die Fassade zeigt hauptsächlich zwei verschiedene Produkte aus Brauch- und Bruchglas. Magna Glaskeramik wird zu 100 Prozent aus Recyclingglas hergestellt und kann nach Gebrauch vollständig und hochWertig wieder dem Glaskreislauf zugeführt werden. Transparentes, grünes oder braunes Flaschenglas werden durch einen Sinterprozess zu Glaskeramik verschmolzen, wobei die Farbigkeit und Form der Glasscherben erhalten bleiben und eine besondere Ästhetik entsteht.
Das zweite Produkt, Foamglas wird ebenfalls aus Recyclingglas hergestellt, welches durch Zugabe von Gas zu einem leichten aber stabilen Dämmmaterial aufgeschäumt wird. Schaumglas kann nach Gebrauch wieder zu neuWertigem Schaumglas verWertet werden.

Boden

Der Boden kombiniert verschiedene mineralische Materialien, gefasst in Stahlrahmen als ‚Gefallenes Laub’ der Baumstruktur. Zur Anwendung kommen Beton- und Ziegelbruch in verschiedenen Körnungen, direkt wiederverwendete Klinkersteine und sogenannte WasteBasedBricks der Firma StoneCycling. Dieses kleine niederländische Start-Up verarbeitet mineralischen Bauschutt zu neuen Backsteinen – im Falle des Mehr.Wert.Pavillons in die Sorten Salt&Pepper, Blackpepper und Salami.
Die Fläche zwischen dem Laub wird als wassergebundene Fläche aus Porzellanbruch ausgebildet. Gebrochene Teller und Tassen aus Produktionsausschuss und Recyclinghöfen werden hierzu gemahlen und als sortenreine Bodenschicht aufgebracht.

Möblierung

Der Tresen und die Videostele wurden aus einem Plattenmaterial der Firma Really. produziert, welches aus rezyklierten Textilfasern (weiße Baumwolle und Denim-Jeansstoffe) hergestellt wird. Die Arbeitsplatte besteht aus Dapple, einer sehr harten und beständigen Platte aus HDPE der Firma Smile Plastics. Der Rohstoff hierzu sind benutzte, gesammelte Küchen-Schneidebretter. Die Hocker und Stühle wurden vom Studio Dirk van der Kooij aus Kunststoff-Hausabfällen hergestellt - mit Hilfe eines 3D-Druckers.

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