Prof. Dr.-Ing. Christian Donhauser von der Fakultät Maschinenbau der Hochschule Kempten leitet das EffPro-Projekt.
Foto: Bihler

Stanzen

Stanzbiegeprozesse inline überwachen

Im Rahmen des Netzwerks „Effiziente Produktionstechnik“ wird ein optisches Messsystem zur Inline-Überwachung von Stanzbiegeprozessen entwickelt.

Im Rahmen des Technologienetzwerks „Effiziente Produktionstechnik“ (EffPro) entwickeln die Hochschule Kempten und die Otto Bihler Maschinenfabrik ein neues optisches Messsystem zur Inline-Überwachung von Stanzbiegeprozessen.

Fertigungsverfahren verbessern, Produktionstechnologien optimieren sowie die jeweiligen Produkte an marktpolitische Anforderungen anpassen: das ist das Ziel des Technologienetzwerks EffPro. Aktuell wird im Zuge des EffPro-Projekts ein optisches Verfahren zur Inline-Messung der Schnittkanten von Stanzbiegeteilen aller Dimensionen und Materialarten erarbeitet. Die innovative Lösung ermöglicht auf einem GRM-NC-Stanzbiegeautomaten die kontinuierliche Online-Erfassung der Schnittflächen-Kenngrößen jedes Bauteils in Echtzeit. „Dies geschieht nach dem Lichtschnittverfahren über ein Kamerasystem, eine Beleuchtungs- und eine Lasereinheit“, erklärt Projektleiter Prof. Dr.-Ing. Christian Donhauser von der Fakultät Maschinenbau.

Verschleißkosten um 20 Prozent reduzieren

Die Bilder werden computergestützt nach definierten Kriterien ausgewertet. Bei Überschreitung der Grathöhentoleranz erfolgen Warnmeldungen oder Maschinenstopps. Die kontinuierliche Kontrolle sichert die Bauteilqualität, vermindert das Risiko von Fehlern und reduziert ungeplante Maschinenstillstände. Gleichzeitig lassen sich wertvolle Rückschlüsse auf den Verschleiß an Schneidstempeln und Matrizen ziehen. Wartungen können so wesentlich exakter angesetzt und zeitlich viel weiter nach hinten verlagert werden. Unterm Strich ist eine Reduzierung der Werkzeug-Verschleißkosten um 20 Prozent realistisch.

Qualitätskriterien flexibel erweiterbar

Das Inline-Messverfahren wird gegenwärtig zu einer industriell anwendbaren Variante entwickelt. Am Ende des Entwicklungsprozesses steht eine standardisierte Messbox, die als Teil des Bihler- Portfolios vertrieben werden soll. In Zukunft lässt sich die Inline-Messung auch noch flexibel mit weiteren Qualitätskriterien und Qualitätserfassungen kombinieren. „Durchaus vorstellbar ist der Einsatz von Sensoren, die die Materialeigenschaften wie die Zugfestigkeit kontinuierlich messen, das Ergebnis des Stanzprozesses überwachen und online die Biegewinkel überprüfen“, so Bihler-Geschäftsführer Bernd Haußmann. „Dies würde zusammen mit der heute schon korrekturfähigen GRM-NC ganz neue Fertigungsdimensionen eröffnen.“