Das Industriewissenschaftliche Institut / Wien legt die erste detaillierte Studie zu den Auswirkungen der Münzproduktion auf die Wirtschaft und die Beschäftigung in der Europäischen Union vor.
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So rentabel ist die Münzproduktion für die Wirtschaft

In der EU hängen nicht nur 170.000 Arbeitsplätze von der Münzproduktion ab, zeigt das Industriewissenschaftliche Institut Wien in einer detaillierten Studie.

Die Münzherstellung rentiert sich – für den Staat und für die Bürger. Mit direkten und indirekten Effekten sind die Münzstätten für eine Gesamtproduktion von 13,797 Milliarden Euro verantwortlich. Die Arbeitsplätze von 169.900 Personen sind direkt oder indirekt von der Produktion von Münzgeld abhängig.

Was untersucht wurde

Jedes Unternehmen bewirkt mehr als das, was in seinem Geschäftsbericht erscheint. Seine Existenz ist die Grundlage von zahlreichen weiteren Transaktionen und bedingt so eine Palette von direkten und indirekten wirtschaftlichen Folgen, die in dieser Studie erstmals für die Münzstätten der Europäischen Union untersucht wurden.

Welche Effekte in Betracht gezogen wurden

  • Direkte Effekte: Damit sind die Produktion, die Wertschöpfung und die Zahl der in Münzstätten Beschäftigten gemeint.
  • Indirekte Effekte: Von der Münzproduktion hängen unterschiedlichste Zulieferer und Dienstleister ab. Man denke z. B. an Maschinenbauer, Lieferanten von Rohmaterial, Logistikunternehmen usw. Ihre Produktion, Wertschöpfung und das dort beschäftigte Personal wird unter diesem Punkt untersucht.
  • Induzierte Effekte: Jeder, der direkt oder indirekt sein Gehalt im Rahmen der Münzproduktion verdient, speist es über seinen Konsum in die Volkswirtschaften ein. Unter diesem Punkt wird aufgelistet, wie groß die wirtschaftlichen Folgen davon sind.

Die Untersuchung dieser direkten, indirekten und induzierten Effekten gehört zu den Basics der Volkswirtschaftslehre. Doch auf Grund der besonderen Natur von Münzen, ihrer strategischen Bedeutung und ihrer Rolle als öffentliches Bargeld, trifft für die Münzproduktion eine vierte Dimension von finanziellen Folgen zu:

  • Alltagseinkäufe-Effekt: Etliche wirtschaftliche Transaktionen beruhen auf der Verfügbarkeit von Münzen, dazu gehören kleinere Trinkgelder, Automatenkäufe, Spenden und ähnliches.
  • Budgetfinanzierungs-Effekt: Da die Produktionskosten geringer sind als der Nominalwert der produzierten Münzen, schafft jede Münzstätte einen Mehrwert, der als „Schlagschatz“ (= Seigniorage) zum Staatshaushalt beiträgt. Die Projekte, die ein Staat dank dieser Gelder realisiert, haben ihrerseits positive Auswirkungen auf die Volkswirtschaft.
  • Crossover- und Spillover-Effekte im Bereich des Tourismus: Jede Münze ist ein Mini-Plakat, das für ein Land, eine Region, eine kulturelle, sportliche oder wissenschaftliche Errungenschaft wirbt und so den Tourismus fördert.
  • Crossover- und Spillover-Effekte im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft: Münzen haben einen hohen Wiedererkennungswert und werden deshalb häufig in kulturellen und kreativen Prozessen rezipiert.

Die Ergebnisse

  • Direkte Effekte: Die Münzstätten der Europäischen Union produzieren Waren im Wert von mehr als einer Milliarden Euro bei einer Wertschöpfung von 374 Millionen mit 3.586 Angestellten.
  • Indirekte Effekte: Der von den Zulieferern der Münzindustrie produzierte Warenwert beträgt 7,711 Milliarden Euro bei einer Wertschöpfung von 668 Millionen mit 12.006 Angestellten.
  • Induzierte Effekte: Die Gehälter und Gewinne, die im Zusammenhang mit der Münzproduktion erzielt und wieder in den Konsum eingespeist werden, schaffen eine Produktion von 2,250 Milliarden Euro bei einer Wertschöpfung von 937 Millionen mit 19.766 Angestellten.

Insgesamt beträgt der Wert der produzierten Waren, die über diese drei grundlegenden Effekte verursacht werden, 4,963 Milliarden Euro bei einer Wertschöpfung von 1,979 Milliarden. 35.358 Angestellte erwerben in Verbindung mit der Münzproduktion ihren Lebensunterhalt.

  • Alltagseinkäufe-Effekt: Der von der Verfügbarkeit von Münzen abhängige Umsatz wird vom Industriewissenschaftlichen Institut derzeit für die gesamte EU mit durchschnittlich 3 % des Gesamtumsatzes einer Nation angegeben. Dies entspricht in Zahlen produzierten Waren im Wert von 9,107 Milliarden Euro bei einer Wertschöpfung von 4,334 Milliarden mit 138.659 Angestellten.
  • Diese Zahl variiert stark für die untersuchten Nationen: Während Belgien mit 62,42 Millionen Euro zu Buche schlägt, beträgt die Summe für Spanien 1,317 Milliarden.
  • Budgetfinanzierungs-Effekt: Der Beitrag der Münzstätten zum Staatsbudget löst eine Produktion von 1,815 Milliarden Euro aus bei einer Wertschöpfung von 729 Mio. Euro mit 13.896 Angestellten.
  • Crossover- und Spillover-Effekte im Bereich von Tourismus und Kulturwirtschaft: Durch die genannten Effekte wird eine Produktion in Höhe von 162 Mio. Euro geschaffen bei einer Wertschöpfung von 78 Mio. Euro mit 1.711 Angestellten.

Damit addieren sich die assoziierten Effekte auf fast 9 Milliarden Euro. 134.499 Personen verdanken ihre Arbeitsstelle diesen Auswirkungen. Insgesamt löst die Münzproduktion nach diesen Berechnungen eine Produktion im Wert von fast 14 Milliarden Euro aus. Fast 170.000 Menschen haben dank ihr Arbeit.

Die Datengrundlage

Für die Untersuchung wurden die kompletten Daten von zwölf Münzstätten aus acht europäischen Nationen analysiert. Die zusammengefasste Wirtschaftsleistung der Heimatländer der erfassten Münzstätten deckt etwa 63 % der Gesamtwirtschaft der Europäischen Union ab.

Das Industriewissenschaftliche Institut / Wien

Das Industriewissenschaftliche Institut ist ein nicht gewinnorientierter Verein, der in Wien angesiedelt ist und seit 1986 Forschung an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis betreibt. Sein besonderer Schwerpunkt ist die Untersuchung industrieller Netzwerke, so genannte Clusteranalysen. Leiter des Industriewissenschaftlichen Instituts ist FH-Hon.-Prof. DDr. Herwig Schneider, der für diese Studie verantwortlich zeichnete.

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