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Foto: Schuler

Unternehmen

Schuler: Zukunftsprojekte trüben Bilanz

Schuler nimmt für die Realisierung seines Zukunftskonzepts hohe Einmal-Belastungen in Kauf, erreicht aber im operativen Geschäft ein leicht positives Ergebnis.

  • Hohe Einmal-Belastungen beim Ergebnis 2019
  • Anpassung an Strukturwandel in der globalen Automobil- und Zulieferindustrie
  • Schuler-Konzern 2019 operativ mit positivem Ergebnis
  • 2020 anspruchsvolles Übergangsjahr mit ersten Erfolgen der Neuausrichtung

„Als Pressenbauer ist Schuler Teil der dramatischen Transformation der globalen Automobilindustrie hin zu E-Mobilität, autonomen Fahren und digitaler Vernetzung. Die daraus resultierenden strategischen und strukturellen Konsequenzen für unser Unternehmen haben wir 2019 identifiziert und auf den Weg gebracht“, sagte Vorstandschef Domenico Iacovelli bei der Vorlage der Geschäftszahlen in Göppingen. „Das hat natürlich deutliche Spuren im Ergebnis hinterlassen, war aber alternativlos. Schuler verfüge aber über die Finanzstärke, die globale Präsenz und die technologische Qualität, um eine derartige Einmal-Belastung tragen zu können. Das mache zuversichtlich, mittelfristig die Position in der Umformtechnik ausbauen und in der Folge auch wieder bessere Ergebnisse erzielen zu können, erklärte Iacovelli weiter.

Beim Pressenhersteller Schuler hat die strategische Neuausrichtung des Konzerns 2019 wie erwartet hohe Einmal-Belastungen beim Ergebnis verursacht. Der Auftragseingang habe konjunkturbedingt nachgegebenen, schneide aber deutlich besser ab als in der deutschen Werkzeugmaschinen-Industrie insgesamt, heißt es. Konzernweit erreichte Schuler einen Umsatz von 1,136 (Vorjahr 1,212) Mrd. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwert-Abschreibungen (EBITA) fiel auf minus 75,5 (plus 45,3) Mio. Euro.

Im Rahmen des Zukunftskonzepts hatte Schuler 2019 stark in die Neuordnung seiner Produktionsstandorte, die Konzentration auf die Kernkompetenzen in Pressenbau, Automatisierung und Service sowie die Stärkung der Innovationskraft des Konzerns investiert. Damit reagierte das Unternehmen auf den weitreichenden Strukturwandel in der weltweiten Automobil- und Zulieferindustrie.

Normaler Geschäftsbetrieb leicht profitabel

Zusammen mit den bereits angekündigten Abschreibungen auf den immateriellen Firmenwert der Tochtergesellschaften AWEBA und Yadon, den Strukturmaßnahmen zur Neuausrichtung des Unternehmens in Höhe von 84 Mio. Euro und anderen Einmal-Positionen verbuchte Schuler 2019 negative Sondereffekte von fast 96 Mio. Euro. Das Konzernergebnis nach Steuern weist ein Minus von 121,9 (plus 13,5) Mio. Euro aus. Im normalen Geschäftsbetrieb, also beim EBITA vor Restrukturierungseffekten, blieb Schuler operativ mit 8,5 Mio. Euro leicht positiv.

Auftragseingang deutlich über einer Milliarde Euro

In das neue Geschäftsjahr 2020 ist Schuler mit einem Auftragsbestand von 868 (926) Mio. Euro gegangen. Der Auftragseingang 2019 hatte 1,092 (1,255) Mrd. Euro erreicht. Den größten Anteil an den Neubestellungen hatten Europa mit 562 (davon Deutschland 293) Mio. Euro, die Region Amerika mit 253 Mio. und China mit 221 Mio. Euro. Mit einem Minus von 13 Prozent lag Schuler beim Konzern-Auftragseingang 2019 besser ab als die deutsche Werkzeugmaschinen-Industrie insgesamt, die nach den jüngsten Zahlen des Branchenverbandes VDW 22 Prozent einbüßte.

Schuler-CFO Thomas Kamphausen erklärte, dass das Unternehmen 2019 die Kosten für die Strukturanpassungen vollständig verkraftet habe. „Wir erwarten 2020 keine wesentlichen zusätzlichen Sonderaufwendungen. Mit spürbaren Kostenentlastungen, die aus dem Zukunftskonzept resultieren, rechnen wir jedoch erst ab 2021“, sagte er. „Im operativen Geschäft des laufenden Jahres lassen sich die möglichen Auswirkungen des Corona-Virus auf Umsatz und Ergebnis zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abschätzen.“

Ende 2019 lag die Eigenkapitalquote von Schuler mit 35,4 (40,1) Prozent auf einem im Industrievergleich weiterhin überdurchschnittlichen Niveau. Die Mitarbeiterzahl ging konzernweit auf 6276 (6574) zurück. In Deutschland arbeiteten zum Jahresende 3962 (4195) Beschäftigte.

Zukunftskonzept: Konzentration, Lokalisierung und Innovation

Das im Sommer angekündigte Zukunftskonzept von Schuler beruht im Wesentlichen auf drei Säulen. Dem Programm-Namen CORE entsprechend, konzentriert sich Schuler künftig auf das Kerngeschäft im Bau von hochmodernen Pressen sowie die Optimierung und Digitalisierung der Automation der Fertigungsprozesse beim Anwender für weltweit operierende Kunden in den Bereichen Automotive, Industrie, Hydraulik und anderen. Zusätzlich verstärkt Schuler systematisch das Angebot im Service und im Bereich der intelligenten Vernetzung.

Den Werkzeugbau für Karosserieteile hat Schuler 2019 an die von strategischen Investoren geführte Deutsche Werkzeugbau-Gruppe verkauft. Der Kernbereich der Werkzeugfertigung für Kunden in der Umformtechnik ist dagegen aus der Schuler Pressen GmbH ausgegliedert und unter dem Dach der konzerneigenen AWEBA-Gruppe als eigenständiger Bereich zusammengefasst worden.

Zweite Säule des Zukunftskonzepts ist die deutliche Beschleunigung von Neuentwicklungen und Marktreife im Pressenbau. Die konzernintern berechnete Schuler Innovation Rate (SIR) hat sich 2019 auf 45,4 (Vorjahr 22,9) Prozent verdoppelt. Die Kennzahl macht deutlich, dass aktuelle Produktinnovationen im abgelaufenen Geschäftsjahr in den wesentlichen Schuler-Geschäftsbereichen Automotive, Hydraulik und Industrie nahezu die Hälfte des Auftragseingangs beigetragen haben. Dadurch konnte Schuler einen wesentlichen Teil des Nachfragerückgangs aus der Automobilindustrie nach klassischen Produkten der Umformtechnik kompensieren.

Drittes Standbein des Zukunftskonzepts ist die konsequente Lokalisierung von Produktion und Wertschöpfung. Schuler in China bedient zusammen mit der Konzernbeteiligung Yadon vorwiegend Kunden in ganz Asien. Aus Brasilien versorgt Schuler insbesondere den nord- und lateinamerikanischen Kontinent. Deutschland bleibt der Standort für Maschinen und Anlagen, die an europäische Kunden gehen. Die hohen Qualitätsstandards an allen Produktionsstandorten sorgen dabei für ein Verbundsystem, in dem Bedarfsspitzen zwischen den Regionen flexibel ausgeglichen werden können. In Deutschland selbst konzentriert Schuler die Pressenproduktion auf Erfurt und baut den Gründungsstandort Göppingen zum zentralen Innovations-Standort um, der zudem in den kommenden Monaten ein zusätzliches Service-Center mit eigener Fertigung und Montage zur Versorgung von Kunden in ganz Deutschland erhält.