Frontansicht der Jumbo-Coat-Anlage im Amazonen Werk in Samara mit (v.r.) Pulverkabine, Ofen beziehungsweise Trockenkammer und Waschkabine.
Foto: Amazone

Oberflächentechnik

Pulverbeschichtungsanlage für Landmaschinenhersteller

Für das russische Werk des Landmaschinenherstellers Amazone hat Meeh eine Jumbo-Coat Pulverbeschichtungsanlage passgenau konfiguriert, gebaut und installiert.

Die zuverlässige Beschichtung der Teile ist für den Landmaschinenhersteller Amazone sehr wichtig, und zwar nicht nur am Standort in Hasbergen-Gaste, sondern auch im Zweigwerk in Samara in Russland. Dort hat Amazone 2016 in eine Jumbo-Coat Pulverbeschichtungsanlage von Meeh investiert. Die Traditionsfirma Amazone entwickelt und fertigt Maschinen für die Landwirtschaft sowie Sonderlösungen, beispielsweise für den Kommunalbereich.

Samara, wo liegt das überhaupt? Samara ist eine Industriestadt im Südosten des europäischen Teils Russlands und an der Wolga gelegen. Sie ist mit 1,2 Mio. Einwohner die sechstgrößte Stadt Russlands. Bereits seit 2013 beherbergt Samara eine der Produktionsstätten des niedersächsischen Landmaschinenherstellers Amazonen Werke. Damals hat Amazone das Werk GAG Eurotechnika zu 100 % übernommen und produziert seitdem Teile, Baugruppen und Maschinen seines Landmaschinenprogramms speziell für den russischen Markt und angrenzende Länder. Inzwischen wird fast die gesamte Palette von Amazone-Maschinen direkt in Samara hergestellt, wobei teilweise Komponenten aus Deutschland eingesetzt werden. „Prinzipiell produzieren wir in Samara die gleichen Maschinen wie an unseren deutschen und europäischen Standorten. Maschinen, die wir schwerpunktmäßig schon immer für den russischen Markt gefertigt haben, bauen wir jetzt vor Ort und selbstverständlich nach demselben Qualitätsstandard wie beispielsweise in Hasbergen-Gaste“, sagt Heinrich Buddenberg, Leiter Oberflächentechnik und Betriebsleitung in Hasbergen.

Das war für Amazone Grund genug, in die jetzt 100-prozentige Tochter kräftig zu investieren. So wurden neue gebäudetechnische, betriebsorganisatorische sowie produktionstechnische Standards geschaffen, wie man sie aus den deutschen und europäischen Standorten kennt. Investiert wurde unter anderem in eine Jumbo-Coat Pulverbeschichtungsanlage der Meeh GmbH in Wimsheim.

Hoher Qualitätsanspruch an russische Produktionsstätte

„Damit“, so Buddenberg, „stellen wir einen von uns hochgesteckten Anspruch an die Oberfläche der Bauteile und Baugruppen sicher. Landmaschinen unterliegen ja bekanntlich einem extrem hohen Verschleiß und da ist es wichtig, dass die Oberflächenbeschichtung einen unabdingbaren Qualitätsbeitrag leistet.“ Um diesen Anspruch zu erfüllen, musste Amazone in ein geeignetes Verfahren investieren.

Involviert in die Suche nach diesem Verfahren, bei der aus Erfahrung eine Pulverbeschichtungsanlage favorisiert wurde, und der Findung des richtigen Partners war auch Alexey Ilyin, Betriebsleiter bei Amazone-Eurotechnika in Samara. „Meeh war uns zwar als Oberflächenspezialist für Pulverbeschichtung schon längst bekannt, aber wir haben uns trotzdem erst einmal auf dem Markt nach einer für uns passgenauen Lösung umgesehen“, sagt er. Nach Besuchen der Verantwortlichen von Amazone am Meeh-Standort in Wimsheim sowie bei Anwendern und Betreibern von Meeh-Anlagen entschied man sich für das Jumbo-Coat System.

Fertigen der Stahlkonstruktion vor Ort

„Letztendlich haben wir uns 2016 für Meeh entschieden, weil man dort insbesondere auch auf unsere speziellen Wünsche eingegangen ist“, unterstreicht Ilyin. Demnach sollte der gesamte Stahlbau der Jumbo-Coat Pulverbeschichtung vor Ort in Samara gefertigt und mit eigenen Mitarbeitern montiert werden. Dies bedeutete für Meeh keine besondere Herausforderung, da das Unternehmen von Haus aus jeden Träger bis hin zu jedem kleinsten Bauteil exakt konstruiert und in Fertigungsunterlagen dokumentiert. „Die Fertigungsunterlagen wie Zeichnungen und Stücklisten mussten bis ins letzte Detail transparent sein und von den Fachkräften in Samara auch verstanden werden“, unterstreicht Dietmar Damm, Vertriebsingenieur bei Meeh.

Bekanntlich gibt es Landmaschinen in unterschiedlichen Leistungen und Dimensionen. So musste die Pulverbeschichtungsanalage sowohl für einzelne Blechteile als auch für Baugruppen ausgelegt werden. Diese Ansprüche erfüllte man mit einem Verfahrbahnhof für wechselnd große und kleine Werkstücke, der Waschkabine, den Öfen und der Pulverkabine für Baugruppen mit 9.200 mm Länge, . mm Breite, 2.500 mm Höhe und einem maximalen Gewicht von 2.000 kg. Die gesamte Anlage weist eine Länge von zirka 30 m und eine Breite von zirka 22 m auf.

Handling im Verschiebebahnhof

Das Handling aller Teile erledigt bei allen Jumbo-Coat Anlagen der Verschiebebahnhof. Er ist jeweils auf die Produkte und die Platzverhältnisse des Kunden abgestimmt und wird von Meeh kundenspezifisch geplant. Der Verschiebebahnhof, bestehend aus einer ausgetüftelten Stahlbaukonstruktion, dient sowohl zur Aufnahme von einzelnen Blechen, die in der Regel von Hand eingehängt werden, als auch größerer Teile und Baugruppen, die bei Amazone in Samara mit dem Gabelstapler gehandhabt werden. Hier hatte man bei der Planung des Verschiebebahnhofs mit den Längs- und Querverfahrwegen sowie diversen Pufferzonen, stets den optimalen und reibungslosen Materialfluss der Teile und Baugruppen im Fokus.

Kundenspezifische Auslegung der Pulverbeschichtungsanlage

Das gleichbleibende Grundlayout einer Jumbo-Coat wird für jeden Auftrag an die vorhandenen Platzverhältnisse und Produkte angepasst. Bei Amazone befindet sich, vom Verschiebebahnhof aus betrachtet, links die Waschkabine. Diese dient dem Entfetten respektive Phosphatieren sowie den Spülprozessen. Dabei werden alle Medien über einen Pumpensumpf und Bandfilteranlagen im Kreislauf geführt.

Neben der Waschkabine befindet sich bei Amazone der Trockner beziehungsweise der Einbrennofen. Hier werden die Teile und Baugruppen getrocknet und/oder der Pulverlack eingebrannt. Das Jumbo-Coat-Ofen-Konzept sorgt dabei für einen optimierten Lufthaushalt bei konstanter Temperaturhaltung. Trocknen und Einbrennen erfolgt damit zeitüberwacht, sodass für jedes Werkstück entsprechend seiner Materialdicke die optimale Verweilzeit im Ofen garantiert ist.

In der begehbaren und bei Amazone auch befahrbaren Beschichtungskabine erfolgt die Pulverbeschichtung manuell. Überschüssiges Pulver wird durch einen Patronenfilter abgesaugt und die gereinigte Luft über einen Sicherheitsfilter in die Halle zurückgeführt.

Die Amazone-Pulverbeschichtungsanlage ist seit mehreren Monaten erfolgreich in Betrieb. Mit dem reibungslosen Ablauf vom Engineering bis zur Fertigung der Bauteile und der Montage vor Ort in Samara sei alles reibungslos abgelaufen, bestätigen Buddenberg und Ilyin bestätigen. Die Bediener der Anlage wurden professionell in Wimsheim geschult.

Foto: Weinbrenner

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