Die Anlage von SHL zum Schleifen und Polieren von Topfdeckeln erzielt sehr gute Oberflächenqualitäten.
Foto: SHL AG

Entgraten

Hochwertige Waren schleifen, polieren und entgraten

SHL stellt Anlagen für robotergestütztes Schleifen, Polieren und Entgraten von Oberflächen her. Der Spezialist sieht Potenzial bei Haushaltswaren.

Haushaltswaren sind längst keine reinen Gebrauchsgegenstände mehr. Im Gegenteil: Das Auge isst mit, und so müssen Töpfe, Pfannen oder Messer auch ansprechend designt sein. Dementsprechend hoch sind die Anforderungen an die Oberflächen. Die SHL AG in Böttingen hat Anlagen entwickelt, die die Ansprüche von namhaften Herstellern in den USA und Deutschland erfüllen. Für den Spezialisten für robotergestütztes Schleifen, Polieren und Entgraten gewinnt dieser Industriezweig an Bedeutung, und die Schwaben legen mit ihren maßgeschneiderten Lösungen einen starken Auftritt hin.

Gestaltung und Haptik werden wichtiger

Ansprechend gestaltetes Essbesteck oder Kochgeschirr erheben so manchen Tisch zur Tafel. Käufer lassen sich von den Funktionen beeindrucken, aber Design ist nicht weniger wichtig, heißt es beim Handelsverband Koch- und Tischkultur. Jens-Heinrich Beckmann vom Industrieverband Schneid- und Haushaltswaren bestätigt: „Es reicht nicht mehr, dass Dinge Gebrauchsgegenstände sind, sie müssen auch exotisch dargestellt sein.“ Die Hersteller reagieren auf diese Trends und legen ihr Augenmerk verstärkt auf Gestaltung und Haptik.

Flexibel und automatisiert

SHL hat diese Entwicklungen erkannt und Anlagen konstruiert, die Haushaltswaren flexibel und automatisiert schleifen und polieren. „Die Anforderungen sind klar definiert. Die Oberflächen müssen makellos sein, um den Kunden zu überzeugen“, weiß Thomas Koch, Executive Vice President Sales bei SHL Automation Inc. in den USA. Unter seiner Regie lieferte SHL eine komplexe Anlage zum Schleifen und Polieren von Topfdeckeln aus Edelstahl an einen namhaften Hersteller.

Besonders leistungsstarke Aggregate

Die Lösung sollte sehr flexibel und erweiterbar sein. SHL hat eine Anlage mit zwei Schleif- sowie zwei Polier- und Scotch-Zellen mit vier Robotern realisiert. Die Topfdeckel gelangen von der Presse in einen Waschautomaten und dann automatisch in die Polier- und Schleifzellen. Der Roboter nimmt das Teil auf und führt es der Doppelkontaktrollenschleifmaschine zur Außenbearbeitung zu. Anschließend erfolgt die automatische Übergabe zu den nächsten Robotern. Diese schleifen und scotchen die Innenseite an der SHL-Polier- und der Doppelpoliermaschine P1000, die besonders leistungsstark gebaut ist. „Der Kunde fährt sortenrein. Das Band kann alle Varianten einzeln im One-Piece-Flow transportieren. Wir können beispielsweise auf beiden Schleifanlagen verschiedene Artikel fahren. Unsere Anlage fordert eine Artikelnummer an und diese wird dann zugeführt“, beschreibt Thomas Koch.

Qualitätskontrolle einfach möglich

Zur Kontrolle von Materialfehlern hat SHL eine sogenannte Rework-Position eingebaut. An dieser können Mitarbeiter Teile entnehmen und die Qualität prüfen. Sollten Mängel auftauchen, wird das Werkstück vom Roboter nachbearbeitet. SHL hat die Anlage so konstruiert, dass bei steigenden Stückzahlen zusätzliche Roboterzellen integriert werden können. Eine weitere Besonderheit stellt die neue HMI (Human Machine Interface)-Oberfläche dar. „Sie macht es dem Bediener besonders leicht, neue Produkte zu programmieren. Darüber hinaus kann er einfach und schnell festlegen, welche Zonen eventuell speziell bearbeitet werden müssen.“

Bedienoberfläche ist intuitiv

Aus Sicht von Projektleiter Jan-Niklas Merkel bietet die neue Bedienoberfläche mehrere Vorteile. „Der Bediener muss nicht am Roboter selbst programmieren. Er gibt Maße wie Durchmesser und Höhe ein, und der Roboter reagiert entsprechend. Zudem ist die Bedienung intuitiv. Es genügen wenige Klicks, um die verschiedenen Varianten prozesssicher bearbeiten zu lassen“, sagt er. Damit hat SHL auf einen Trend reagiert. „Die Mitarbeiter wollen an einem Bildschirm Parameter eingeben, und nicht relativ aufwendig direkt am Roboter programmieren.“ Die Zellen verfügen über ein automatisches Greiferwechselsystem. Dieses ist ebenfalls über die Oberfläche zu steuern. Der Bediener gibt den erforderlichen Greifer ein, und der Roboter bedient sich aus einem Lager. Am Ende des Prozesses steht die Qualitätsprüfung, ehe es zum Versand geht.

Top Oberflächen für Küchenmesser

Auch bei Küchenmessern gilt: Sie müssen nicht nur gut in der Hand liegen, sondern ansehnlich sein und Lifestyle ausdrücken. „Optik und Haptik stehen im Vordergrund“, meint Thomas Magnussen, Key-Account-Manager bei SHL. Sein Team hat eine Schleifanlage mit drei Robotern für die Bearbeitung von Messergriffen aus Kunststoff entwickelt. Kunde ist ein namhafter Hersteller von Haushaltswaren in Deutschland, der großen Wert darauf legt, dass das Messer mit dem Griff eine homogene Einheit in perfekter Oberflächenqualität bildet. SHL hat dazu eine Zelle für die Nassbearbeitung konstruiert, in der Roboter arbeiten, die speziell für Freiformflächen ausgelegt sind, so dass 3D-Konturen und dekorative Oberflächen optimal bearbeitet werden können.

Spezielle Maschinen für die Nassbearbeitung

Die Roboter bearbeiten die Rohteile in Linie nacheinander. Dabei kommen spezielle Maschinen für die Nassbearbeitung zum Einsatz. Basis des Konzepts bilden Schleifmaschinen FKS 250/450 mit Ihrer maximalen Flexibilität und die EKS mit zwei Modulen übereinander. Spezielle Lager und die Verwendung von Edelstahl gewährleisten den zuverlässigen Einsatz in der Nassbearbeitung auch unter härtesten Bedingungen. Die Nassbearbeitung hat den Vorteil, dass sie das Schmelzen des Kunststoffs während der Bearbeitung verhindert. „Die vier FKS, die am letzten Roboter zum Einsatz kommen, sind zudem frei drehbar, und es kann sowohl parallel zwischen den Kontaktscheiben als auch stand alone geschliffen werden. Wir erreichen dadurch alle Zonen zuverlässig“, schildert Thomas Magnussen. Damit erfüllt SHL die Anforderungen des Kunden voll und ganz.

Wachstumspotenzial vorhanden

Nach Einschätzung von SHL besitzt der Haushaltswaren-Sektor Wachstumspotenzial. Der Wunsch der Konsumenten nach hochwertigen und schönen Produkten fordert hochwertige Bearbeitungen. Für Thomas Magnussen ein Einsatzgebiet, in dem automatisierte Schleif- und Polierlösungen punkten können.

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