Foto: Fiessler

Umformtechnik

Gefährliche Mängel trotz CE-Kennzeichnung!

Können sich "Inverkehrbringer", also Maschinenhändler und Importeure, wirklich auf das CE-Zeichen verlassen? Leider nein, wie Fiessler Elektronik festgestellt hat.

Durch die immer weiter fortschreitende Globalisierung und den Import von Maschinen und Anlagen kommen auf Händler vermehrt rechtliche Aufgaben zu, vor allem wenn die herstellende Firma außerhalb der EU ansässig ist. In diesem Fall wird der Maschinenhändler und Importeur entsprechend der europäischen Maschinenrichtline zum „Inverkehrbringer“ der Maschine und damit in vollem Umfang haftbar für die Maschine beziehungsweise Anlage.

Können sich nun die Maschinenhändler auf ein an der Maschine oder Anlage aufgebrachtes und in den Papieren vermerktes, dokumentiertes CE-Zeichen blind verlassen? Nein, heißt die Antwort, wie das folgende Beispiel einer Gesenkbiegepresse deutlich aufzeigt.

Maschinen aus dem EU-Ausland

Die Firma Stürmer Maschinen GmbH hat mehrere Mustermaschinen zum Test bei einem nicht in der EU ansässigen Unternehmen bestellt und mit CE-Zeichen geliefert bekommen. Bei der Anlieferung der Maschinen kamen den handelnden Personen der Firma Stürmer Zweifel auf, ob die Maschine den Vorgaben der Norm DIN EN12622 entspricht.

Für eine Überprüfung der Normkonformität der Maschine wurde die Firma Fiessler Elektronik kontaktiert, um eine gemeinsame Begutachtung der Maschine durchzuführen. Dabei wurde schnell festgestellt, dass unter anderem das Hydraulikkonzept nicht den Sicherheitsanforderungen entspricht.

Nicht nur ärgerlich, sondern gefährlich

Weiterhin war im Schaltschrank zwar die Sicherheitssteuerung eines renommierten Hersteller eingebaut, die Sicherheitsschaltkreise waren jedoch fehlerhaft beziehungsweise mangelhaft eingebunden. Die Integration und Auswertung der optischen Frontabsicherung "AKAS" durch den Maschinenhersteller war ungenügend. Gerade im gefährlichen Bereich des Umschaltpunkts von Eil- in den Pressgang wurde das System komplett überbrückt. Die Verletzung von Finger oder Hand hätten während der Schließbewegung im Bereich der Biegelinie nicht verhindert werden können, erklärt Fiessler. Unter ungünstigen Umständen könnte das sogar den Verlust von Fingern oder Hand bedeuten.

Dokumentation der Mängel

In einem Abnahmeprotokoll wurden sämtliche Punkte, welche nicht den Vorgaben der Norm EN12622 entsprachen, aufgeschlüsselt und dokumentiert. Auf Basis dieser Dokumentation hätte der Hersteller der Maschine nun nachbessern müssen. Dies gestaltete sich schwierig, da der Maschinenhersteller in der Zwischenzeit liquidiert wurde und somit auch nicht zur Nachbesserung der Anlage verpflichtet werden konnte.

Die Firma Stürmer Maschinen GmbH nimmt ihre Verantwortung als Inverkehrbringer indes sehr ernst und scheute auch keinen Aufwand, die Maschine entsprechend den geltenden Richtlinien umzurüsten. Stürmer entschied sich dabei für eine sicherheitstechnische Nachrüstung der Maschinen mit der neuen modularen Sicherheitssteuerung FMSC.

Sicherheit wieder hergestellt

In Zusammenarbeit mit der Firma Fiessler Elektronik wurde der Schaltplan überarbeitet und ein Integrationsvorschlag erstellt. Auf Basis dieser Dokumentation wurde der Schaltschrank seitens Stürmer neu strukturiert und verkabelt. Als letzter Schritt folgte dann die Inbetriebnahme der Gesenkbiegemaschine. Diese erfolgte innerhalb eines Tages. Dabei stellte sich heraus, dass nicht nur die Sicherheit der Maschine nun im grünen Bereich ist, sondern auch die Performance der Gesenkbiegepresse durch die schnelle Reaktionszeit der FMSC deutlich erhöht werden konnte.

Außerdem wird nun auch das Akas-System durch einen speziellen Softwarebaustein korrekt ausgewertet und bietet somit höchste Sicherheit bei allen Biegevorgängen. Eine erneute Beurteilung der Maschinenfunktionen ergab, dass diese Maschine nun den sicherheitstechnischen Anforderungen der DIN EN 12622 entspricht. Somit konnte der Umbau der Maschine in guter Zusammenarbeit der beiden Firmen erfolgreich abgeschlossen werden.

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