Verkehrsschilder – einfaches Produkt mit ausgeklügelter Fertigungstechnik bei der Bremicker Verkehrstechnik GmbH 100.000fach gefertigt.
Foto: Kuhn

Oberflächentechnik

Fertigungslinie für Verkehrsschilder

Straßen- und Verkehrsschilder fertigt die Bremicker Verkehrstechnik auf einer Linie aus Schleifmachine, Reinigungssysteme und UV-Beschichtung.

In der Fertigung von Schildern für unterschieldiche Einsatzzwecke setzt die Bremicker Verkehrstechnik GmbH eine neue Oberflächenlinie mit Schleif- und UV-Lackieranlage ein. Das traditionsreiche Unternehmen gilt seit 85 Jahren als führendes Unternehmen für die Entwicklung und Produktion hochmoderner Verkehrstechnik. Dazu gehören vor allem Verkehrsschilder für alle Arten von Verkehrswegen, Hinweisschilder und ähnliches. „Dafür“, so Kai-Uwe Pook, Prokurist und Bereichsleiter Produktion und Logistik bei Bremicker, „verarbeiten wir jährlich zirka 1.000 Tonnen Aluminium als Ronden, Dreiecke oder andere Formate, mehrere 100 Tonnen Stahl und weit mehr als 125.000 Quadratmeter Folien.“ Daraus entstehen tausende Verkehrszeichen mit einer Grundfläche zwischen 0 und 160 m² (Kleinverkehrszeichen, Großverkehrszeichen und touristische Hinweisschilder) sowie dynamische „Leitsysteme“.

Die Fertigung eines einfachen Verkehrsschildes benötigt schon eine Reihe von Fertigungsschritten. Ausgangsmaterial sind Bleche aus Aluminium. Sie werden zugeschnitten, geschliffen, gereinigt, lackiert und anschließend mit Folien beschichtet. „Bei großen Schildern ist das eine wahre Kunst“, sagt Pook, „denn dabei werden meist mehrere Folien auf einem Blechzuschnitt kombiniert. Diese müssen stoßgenau und unsichtbar zusammenpassen.“

Die Folien werden auf einem Drucker ausgegebene und auf einem Plotter zugeschnitte. Für Layout und Design arbeiten die Designer bei Bremicker mit einer Spezialsoftware. Wesentliche Unterschiede ergeben sich bei reflektierenden und nicht reflektierenden Materialien.

Aufwändige Fertifgungstechnik für Verkehrsschilder

In der Fertigung wird eine nagelneue Oberflächenlinie mit Schleif- und UV-Lackieranlage eingesetzt. Nach Kai-Uwe Pook, der für diesen Bereich verantwortlich ist, ging es bei der Investition vorrangig um eine umweltfreundliche und gleichzeitig wirtschaftliche Lösung. Die neue Anlage eröffne für Bremicker in Sachen Schleiftechnik und Oberflächenbeschichtung eine neu Dimension betont Pook: „Mit den Technologien der Firmen Bürkle und Weber, die für alle Beteiligten in Sachen Dimension ein Novum darstellen, haben wir jetzt einen Schritt vollzogen, der uns jährlich viele Tonnen Lösemittel einsparen lässt und unsere Flexibilität damit deutlich erhöht.“

Die Investition steht für eine Oberflächenlinie, die zum einen aus einer Schleifstraße der Baureihe M der Hans Weber Maschinenfabrik GmbH in Kronach besteht und zum anderen aus einer Walz-Lackieranlage mit UV-Trocknungstechnik der Firma Robert Bürkle GmbH aus Freudenstadt. Die Baureihe M sind Schleif- und Entgratmaschinen bis zu einer maximalen Bearbeitungsbreite von 3.200 mm. Hier kommt eine Kombination einer von oben schleifenden und einer von unten schleifenden Maschine zum Einsatz. Für die Experten Georg Weber, Geschäftsführer der Hans Weber Maschinenfabrik GmbH und Patrick Ade, Verkaufsleiter Lackieren bei der Robert Bürkle GmbH war es eine interessante Herausforderung diese Konstellation erstmalig vom Möbel- auf den Metallbereich zu adaptieren. Bisher habe sich Bürkle zwar ab und zu mit Blechen als Werkstücke befasst, erläutert Ade, aber UV-Lackierung finde heute ausschließlich in der Möbelindustrie statt.

Kai-Uwe Pook betont: „Für die Neuinvestition in die Oberflächenlinie gab es nur einen Weg – weg vom Lösemittel. UV-Lackieren kannte auch er bereits aus der Möbelbranche, wie die beiden Lieferanten auch. „Worauf es also ankam“, so der Betriebsleiter, „war, dass wir die Kombination des Schleifens und der UV-Lackierung auf den Metallbereich adaptieren, um damit umweltfreundlich und gleichzeitig kostensenkend zu produzieren. Das ist uns mit den neuen Anlagen und einem innovativen Lackhersteller bestens gelungen. In vielen kleinen Schritten und zahlreichen intensiven Gesprächen und Versuchen konnten wir mit unserem Lackhersteller, der Firma Lott-Lacke, ein sehr stabiles System aufbauen, dass alle gängigen Prüfkriterien bestens erfüllt. Hier haben alle an einem Strang gezogen und etwas ganz Tolles geschaffen.“

Zuschnitte als Bildträger

Die Aluminium-Bildträger werden von Bremicker entweder fertig eingekauft oder auf einer Trumpf-Laseranlage zugeschnitten. Trotz sauberer Schnitte sind sie mit einem leichten Primärgrat behaftet. Zudem können beim Stapeln und Entstapeln der geschnittenen Bildträger unterschiedliche Kratzspuren entstehen. „Für die Weiterverarbeitung muss der Bildträger aber absolut grat- und kratzerfrei sein. Dies erreichen wir optimal mit der Schleifmaschine von Weber“, erklärt Pook.

Mit der Weber-Schleifmaschine werden die Platinen entgratet und beidseitig, oben und unten, geschliffen. Daran anschließend erfolgt in der Bürkle UV-Lackieranlage der Lackauftrag auf der Oberseite der Bleche.

Die Weber Schleifmaschinen benötigt lediglich eine eine Aufstellfläche von etwa 4.000 x 4.000 mm. Sie wurde so konzipiert, dass die Blechzuschnitte in einem Durchgang grat- und kratzerfrei werden. Dazu legen ein oder zwei Bediener die Platinen an der Maschine auf, wobei die Einlaufbreite von 2.250 mm auch für große Platinen gut bemessen ist. Ein für raue Betriebsbedingungen ausgelegtes Förderband schleust die Bleche mit einer Geschwindigkeit bis 8 m/min automatisch durch die gesamte Oberflächenlinie. Der beim Schleifen und Bürsten entstehende Staub wird zu 99 Prozent über spezielle Rohrleitungen über der Anlage abgesaugt, einem entsprechendem Filtersystem zugeführt und mit Wasser vermischt abgelagert. „Die Platinen sind durch ein Vakuumsystem so auf dem Transportband fixiert, dass ein Verrutschen ausgeschlossen ist“, erläutert Georg Weber. „Beide Schleifmaschinen, für Ober- und Unterschliff, sind über ein zentrales Terminal synchron gesteuert. Bereits am Einlauf werden die Blechdicken elektromechanisch gemessen und die Maschinenhöhe automatisch angepasst.“

Die Antriebsleistung der Schleifanlage ist mit 48 kW pro Schleifeinheit kraftvoll und dennoch sparsam ausgelegt. „Die Maschine ist weitgehend wartungsfrei“, sagt Pook. „Einzig die Schleifbänder, als Spezialanfertigung mit angepasster Körnung, müssen ein- bis zweimal pro Woche ausgewechselt werden.“

UV-Walz-Lackieranlage

In ganz anderen Dimensionen zeigt sich die dem Schleifen nachgelagerte UV-Walz-Lackieranlage von Bürkle. In der Breite misst sie etwa ebenso wie die Schleifmaschine 2.250 mm, in der Länge bringt sie es auf fast 19 m. Die geschliffenen Blechzuschnitte werden mittels mehrerer Gurtförderer von der Schleifanlage in die Lackieranlage und durch diese geführt. Am Einlauf der Lackieranlage entfernt eine Wandres-Reinigungseinheit mit Schwertbürsten aufliegende Verschmutzungen.

Direkt nachgeordnet befindet sich die erste von zwei Bürkle Walzenauftragsmaschinen Typ: Easy-Coater RCL-L mit deren Hilfe zuerst der sogenannte Primer (8 bis 10 g/m²) auf die Platinen aufgebracht wird, um eine sichere Haftung des eigentlichen Lackes (je nach Anforderung 15 bis 35 g/m²) sicherzustellen. Dieser wird durch die zweite Walzenauftragsmaschine aufgebracht. Damit lassen sich alle flächigen Bauteile, in diesem Falle Aluminiumzuschnitte, als Bildträger für die Verkehrsschilder beschichten. Werkstückgröße, Schichtdicken, Beschichtungsmedien und Auftragswalzenbeschaffenheit werden nach den Kundenanforderungen festgelegt. Im Falle von Bremicker sind es spezielle UV-Lacke die aufgebracht werden. Zur Reinigung und Pflege werden die Walzenauftragsmaschinen seitlich mit ein paar Handgriffen und in wenigen Minuten, auf Schienen, aus der Anlage herausgefahren.

Den Walzenauftragsmaschinen zugeordnet sind die UV-Trocknungsanlagen. Diese funktionieren mit licht-emittierenden Röhren. Im Vergleich zur Trocknung herkömmlicher Wasser- oder Lösemittellacke zeigen sie sich umweltfreundlicher und ressourcenschonender.

Sowohl Walzenauftragsmaschinen als auch die UV-Trocknungseinheiten gehören der Baureihe Easy-Coater/Easy-Cure an. Ein Anlagenkonzept das durch die Mitgliedschaft von Bürkle in der VDMA-Nachhaltigkeitsinitiative „Bluecompetence“ entstanden ist. Die Initiative steht für ressourcenschonende Technologien und nachhaltige Lösungen.

Gute Wahl in der Kombination

„Mit dieser Anlagenkonstellation haben wir unsere Flexibilität und damit auch die Wirtschaftlichkeit enorm verbessert. Was aber noch höher zu bewerten ist, ist die Tatsache, dass wir umweltfreundlich produzieren.“ Die Technologie, die Bremicker mitentwickelt und eingekauft hat, ist ein absolutes Novum in der Branche, und es setzt die Strategie des Ausbaus der Digitalisierung im Unternehmen weiter fort.

Dietmar Kuhn

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