Sven Grötschel an der Flachbettlasermaschine LS5, mit der die Grötschel-Gruppe zukünftig im Bereich Blech die Anforderungen der Kunden Laserschneiden von Blech abdeckt.
Foto: Maruschzik / BLM

Rohrschneiden

Einfach die STEP-Dateien rausfließen lassen

"Wenn das die Zukunft ist, müssen wir mitmachen, sonst können wir in ein paar Jahren zusperren", resümierte Sven Grötschel einen Besuch bei Adige. Anschließend investierte er in je einen Rohr- und Blechlaser von BLM.

Eigentlich war Sven Grötschel mit einigen seiner Mitarbeiter im Herbst 2017 nach Levico Terme gefahren, um sich bei Adige, einem Unternehmen der BLM Group, Maschinen für das Rohrbiegen und das Laserschneiden von Blechen anzuschauen. Es kam anders: Vor Ort befasste sich der geschäftsführende Gesellschafter der Grötschel GmbH aus Bernsdorf in Sachsen vorwiegend mit den Möglichkeiten, die das Rohrlaserschneiden im Metallbau eröffnet. Speziell der Rohrlaser LT8.10 interessierte ihn. Mit ihrem Faserlaser bringt die Maschine 2D- oder 3D-Schnitte in Rohre sowie Standard-, Sonder- und offene Profile mit Hüllkreisdurchmessern von 12 mm bis 240 mm und Stangengewichten bis 40 kg/m. Verarbeiten lässt sich Stahl, Edelstahl, Aluminium, Kupfer und Messing.

"Wir haben ohnehin 3D-CAD-Daten"

Egal, ob Treppen, Vordächer, Förderbandanlagen, Maschinenkomponenten, Betriebseinrichtungen oder andere Metallbauten – in der Vorbereitung der Produktion setzt Grötschel schon seit Jahren 3D-CAD-Systeme ein. „Im Zeitalter von Industrie 4.0 und integrierten Produktionsprozessen ist es nur konsequent, dreidimensionale CAD-Daten unmittelbar in Blech- und Rohrlaser fließen zu lassen“, fasst Grötschel die Demonstrationen und Vorträge der Experten zusammen.

Gezeigt worden war unter anderem, wie die 3D-CAD/CAM-Software Artube STEP-Dateien automatisch in Produktions­programme für die BLM-Rohrlaser der Laser­tube-Familie umwandelt. Artube erkennt dabei Baugruppen, isoliert die einzeln herzustellenden Komponenten und erzeugt für diese automatisch die Maschinenprogramme für die Rohrlaser. Die erforderlichen Informationen werden automatisch an die Maschinen weitergegeben. Und gleichzeitig schlägt das Programm Optimierungen vor. So werden beispielsweise bei Verbindungen jeweils die effizientesten Lösungen angezeigt, wobei sich diese in der Produktionsvorbereitung bei Bedarf anpassen lassen. Das gilt etwa für „Hook & Slot“-Verbindungen, also für Rohrenden mit Zähnen, die sich bei anderen Rohren in Ausschnitte einklinken lassen.

Intelligente Prozessoptimierung

Eine Spezialität von Artube sind Trenn-Biege-Schnitte. Wurden bislang beispielsweise viereckige Rahmen aus vier – an den Ecken im rechten Winkel zusammengeschweißten – Vierkantrohren hergestellt, rechnet Artube die vier einzelnen Elemente in längere gerade Rohre um. An den vorgesehenen Stellen sieht die intelligente Software Ausschnitte vor, die hier später das Biegen der Vierkantrohre im erforderlichen Winkel ermöglichen. Das Ergebnis sind Rahmenkonstruktionen aus jeweils einem Werkstück, die sich schnell und leicht formen lassen.
Teilweise müssen die Verbindungen nicht einmal verschweißt werden. Denn Artube kann auf Wunsch Steckverbindungen vorschlagen, die dank der Präzision der Laserschnitte in sich stabil sind – selbst dann, wenn die Verbindungen nicht verschweißt werden.

Mit anderen Worten: Für die Herstellung ganzer Rahmen und Baugruppen reichen im Grunde einfache Modelle beziehungsweise Profile. In der Software der BLM Group steckt das Know-how, wie der Prozess später in idealer Weise ausgeführt werden kann. Grötschel: „Artube eröffnet unseren Kunden im konstruktiven Design bislang nicht gekannte Möglichkeiten. Das heißt, wir können Aufträge annehmen, die mit traditionellen Verfahren nicht so ohne weiteres realisierbar waren. Weder bei der Präzision noch bei der Flexibilität können traditionelle Fertigungsverfahren mit Rohrlasern und der zugehörigen CAD/CAM-Software mithalten. Schon gar nicht bei der Produktivität.“

So fiel die Entscheidung am Ende des Tages in Levico Terme schließlich für zwei Maschinen der BLM Group: eine LT8.10 für das Laserschneiden von Rohren und eine LS5 für das Laserschneiden von Blechen.

Lukrative Wachstumspotenziale

„Da wir kein eigenes Produktprogramm haben, sondern ausschließlich vom Projektgeschäft leben, ist eine solche Investition für uns natürlich schon ein Kraftakt“, meint Grötschel. Andererseits sieht er für sein Unternehmen enorme Wachstumspotenziale. Schließlich werde in vielen Branchen nach wie vor mit konventioneller Technik produziert. Gerade auch im Anlagenbau oder in der Klimatechnik hinke das Wissen in Konstruktion und Design allzu oft hinter den heutigen Möglichkeiten des Rohrlaserschneidens her. Deshalb werde wie eh und je konstruiert. Grötschel: „Wir hören immer wieder, dass es an Praktikern mangelt, die den Konstrukteuren unter die Arme greifen können. Exakt das ist unser Metier.“

So will der Unternehmer auch im lokalen Markt verstärkt als Dienstleister auftreten, der Metallbauunternehmen Kleinserien und fertige Baugruppen inklusive Schweißen aus einer Hand liefert: „Viele Metallbauer arbeiten mit etlichen verschiedenen Stahlgestellen und Konstruktionen, die sie für ihre Kunden in Handarbeit herstellen. Im Grunde wissen sie, dass ihre Produktion nicht mehr zeitgemäß ist. Aber sie finden nicht die Zeit, ihre Angebote auf wenige Grundmodelle mit Standardkomponenten herunterzubrechen, auf deren Basis sie effizient individuelle Ausbaustufen realisieren können. Oder ihnen fehlt das Know-how, entsprechende Bausätze zu entwickeln.“ Mit ihrer neuen Technik sei die Grötschel Gruppe für diese Unternehmen mehr denn je als Partner interessant.

Active Tools garantieren perfekte Produktionsqualität

Nicht nur Artube, auch die Active Tools der BLM Group unterstützen in idealer Weise die Produktion. Active Scan „schluckt“ die Toleranzen, mit denen Rohmaterialien häufig aufwarten. Zu diesem Zweck vermisst diese Funktion binnen Millisekunden die Geometrien der Materialien und berücksichtigt die Abweichungen im Laserschnitt. Soll die LT8.10 etwa Löcher mittig in Vierkantrohre bohren, schneidet sie auch dann mittig, wenn die Breiten der Rohre um einige Millimeter schwanken. Künftig kann Active Scan um die Option Active Weld erweitert werden. Dies ermöglicht die Schweißnahterkennung innerhalb von Rohren.

Active Marking nimmt der Grötschel Gruppe das manuelle Markieren von Werkstücken mit Bauteilenummern ab. Active Piercing optimiert automatisch die Lochungen bei allen zu verarbeitenden Materialien, während Active Speed dynamisch alle Schnittparameter verwaltet und damit nach Auftragswechseln vom ersten Teil an optimale Schnittqualität garantiert. Active Focus schließlich steuert dynamisch den Brennpunkt des Lasers, der somit 2D- und 3D-Schnitte, Lochungen und Markierungen unter optimalen Bedingungen ausführt.

Aus Sicht der Maschinenführer ist auch die automatische Schweißnahterkennung eine willkommene Funktion. Zum Beispiel verhindere sie, dass Schweißnähte in Knick-Verbindungen gesetzt werden – wobei die Schweißnähte in der neuesten Software-Version bereits in der Produktionsvorbereitung definiert werden können.

Flexibilität ist das A und O

Auch die Flexibilität, mit der sich die LT8.10 beladen lässt, ist für Grötschel ein wichtiges Kriterium. „Wir leben von der Individualität und fertigen letztlich ausschließlich Sonderteile. Über den Stufenförderer vorn können wir bis zu acht verschiedene Profile auf einmal laden. Das unterstützt perfekt unsere Anforderungen im Tagesgeschäft.“
Bei anderen Aufträgen wiederum sei der Rohrlaser tagelang ausgelastet und werde über den Bündellader beladen. Da biete die Maschine die Möglichkeit, zwischendurch einzelne Rohre oder Profile zu laden und diese zu schneiden, um anschließend die laufenden Aufträge fortzusetzen. Wichtig sei auch, dass die LT8.10 nicht nur 6,5 m lange Stangen laden, sondern auch 6 m lange Stangen entladen kann. „Wir müssen häufig einfach nur ein paar Löcher in Stangen schneiden“, erklärt der Geschäftsführer den Hintergrund.

Wartungsarmer 3D-Kopf

Den 3D-Faserlaserkopf sieht man bei der Grötschel Gruppe als ein weiteres Schlüsselelement der LT8.10 an. Er führt wahlweise 2D- oder 3D-Schnitte aus, wobei die 3D-Schnitte unter anderem im Geländerbau eine optimale Schweißnahtvorbereitung erlauben. „Mit dem 3D-Kopf können wir Phasen oder Senkungen auch von der Rückseite beziehungsweise von der Innenseite einbringen“, spricht Grötschel eine weitere Möglichkeit an, die dem Unternehmen sehr gelegen kommt. Darüber hinaus zeichnet sich der Faserlaser durch niedrigste Betriebskosten aus. Und er benötigt kaum Wartung, was wiederum die Wartungskosten minimiert.

„Aus unserer Sicht ist der Maschinenbau der BLM Group hochsolide und sehr kompakt“, nennt Grötschel einen weiteren Aspekt, der für die Technik der italienischen Unternehmensgruppe sprach. Und egal, ob die Halterungen oder die Aufnahme der Materialien – nichts wirke verspielt. Hinzu komme der kompromisslose Rundum-Schutz der Maschinenführer an den kritischen Bereichen der ansonsten offenen Maschine. Grötschel: „Das alles hat uns schon rein optisch gut gefallen.“

Produktion aus dem Stand heraus

Da Grötschel seine Mitarbeiter von vornherein in seine Investitionsentscheidung einbezogen hatte, diese schon seit Jahren in der 3D-CAD-Welt lebten und über entsprechendes Know-how verfügten, gelang dem Unternehmen praktisch aus dem Stand heraus der Einstieg in das Rohrlaserschneiden. „Unseren Mitarbeitern macht es Spaß, mit der neuen Technik zu arbeiten. Sie waren von Anfang an mit Herzblut dabei“, stellt Grötschel fest.

Bereits nach einer Woche verwandelte das Unternehmen mit der LT8.10 eine breite Palette verschiedener Rohre und Profile in anspruchsvolle Produkte, als hätte es den Rohrlaser schon seit Jahren im Einsatz. „Wir sind heute individueller und schneller denn je“, bringt Grötschel die Veränderungen auf den Punkt, die die neue Technik mit sich gebracht hat. „Deshalb können wir interessante Aufträge an Land ziehen und dabei kürzeste Lieferzeiten realisieren.“

Wertvolle Kontakte

Mit der EHP Blechbearbeitungsmaschinen GmbH als Vertriebspartner der BLM Group in Ostdeutschland steht der Grötschel Gruppe zudem ein Ansprechpartner zur Seite, der den Erfolg des Unternehmens über die kompetente Beratung rund um alle Fragen der Rohr- und Blechverarbeitung hinaus auch auf andere Weise flankiert. „EHP bringt uns mit ostdeutschen Metallbauunternehmen in Kontakt, die andere Maschinen der BLM Group einsetzen. So entsteht ein Netzwerk, in dem wir uns mit unseren verschiedenen Produktionsprozessen im Sinne unserer Kunden ideal ergänzen können“, freut sich Grötschel über diese Unterstützung. Mit diesen Partnern tausche man gleich Artube-Daten aus. Auch das trage dazu bei, die LT8.10 kontinuierlich noch stärker auszulasten.

Innovationskraft mit dem Zukunftspreis 2018 honoriert

„Letztlich sind wir beim Rohrlaserschneiden nach wie vor in der Einführungsphase und nehmen uns alle Zeit, die notwendig ist, damit wir die Anforderungen der verschiedenen Marktsegmente in geeigneter Weise abdecken können.“ Da habe sich für das Unternehmen wahrlich

ein weites Feld geöffnet. Gerade auch, weil es seine Kunden schon beim konstruktiven Design an die Hand nimmt – womit es sich von den meisten anderen Dienstleistern der Branche abhebt. Das wird im heimischen Markt sehr wohl wahrgenommen. So belegte Grötschel beim Zukunftspreis 2018 der Handwerkskammer Dresden den zweiten Platz und wurde damit als besonders innovatives Unternehmen ausgezeichnet.

Eine Entscheidung für die Zukunft

Die LS5 wiederum decke alle Anforderungen des Unternehmens an das Blech-Laserschneiden ab. Mit einer solchen Anlage im eigenen Haus könne die Grötschel Gruppe schneller und flexibler die Anforderungen der Kunden abdecken, als würde sie geschnittene Bleche auf dem Markt beschaffen. „Für uns war es logisch, beide Laserschneidemaschinen in einem Paket und aus einer Hand zu kaufen“, meint Grötschel. Wenn man bedenke, dass er ursprünglich lediglich eine Laseranlage für das Schneiden von Blechen kaufen wollte, dann habe die Investitionsentscheidung doch einen bemerkenswerten Schwenk in Richtung Zukunft genommen.

Johannes Maruschzik

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