Blick auf die ähnliche, aber kleinere Strahl-Richt-Konservierungslinie von ND-Coatings, einem strategischen Partner der Meyer Werft in Papenburg.
Foto: ND-Coatings

Oberflächentechnik

Eine 225-m-Anlage zum Strahlen, Richten und Lackieren

Auf dem Ableger der Meyer Werft im finnischen Turku wurde eine vollautomatische Konservierungslinie inklusive Richtanlagen von Rösler in Betrieb genommen.

Nachdem vor rund drei Jahren die Konservierungslinie bei ND Coatings, einem strategischen Partner der Meyer Werft Papenburg, in Betrieb ging, hat Rösler inzwischen eine zweite Anlage für die Meyer Werft im finnischen Turku realisiert. Es handelt sich dabei um den größten Einzelauftrag in der Unternehmensgeschichte des Anlagenbauers.

Die vollständige Übernahme der Werft in Turku 2014 war für Meyer Werft ein bedeutsamer Schritt. Verbunden damit waren Investitionen, um die Produktion von Kreuzfahrtschiffen auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen. Dazu zählt die von Rösler geplante und gebaute Konservierungslinie inklusive Richtanlagen für Wulstflachstahl- und Flachstahlprofile sowie Bleche. Ausschlaggebend bei der Entscheidung für die Lösung von Rösler seien die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Konservierungslinie bei ND Coatings gewesen, heißt es.

Vollautomatisierte Linie mit zwei Strahlanlagen

Die auf die Anforderungen von Meyer Turku abgestimmte, rund 225 m lange Strahl-Richt-Konservierungslinie besteht aus verketteter Transporttechnik, Vorwärmungsanlagen, zwei separaten Strahlanlagen, entsprechenden Richtsystemen für Profile und Bleche und einer Lackierstation mit Trockner. Alle Anlagenteile sind miteinander verkettet und in das Produktionssteuerungssystem der Werft eingebunden. Dadurch wird bei der Übergabe der Werkstücke an die Linie automatisch erkannt, ob sie gereinigt, gestrahlt oder gerichtet werden und in welcher Farbe lackiert wird – oder ob nur ein Teilprozess erfolgen soll.

Lückenlose Dokumentation

Für jedes bearbeitete Teil werden sämtliche Prozessparameter an das System zurückgemeldet, so dass eine sehr genaue und lückenlose Dokumentation erstellt werden kann.

  • Die im Freien lagernden Profile sind mit Rost und Zunder verschmutzt und je nach Jahreszeit stark vereist. Für die Bearbeitung werden jeweils sieben Teile auf dem Fördersystem als Charge zusammengefasst. So durchlaufen sie zunächst mit einer Geschwindigkeit von 3 m/min die Reinigungsanlage, in der sie je nach Bedarf auch enteist werden.

  • Der anschließende Strahlprozess erfolgt in einer Rollenbahnstrahlanlage RRB 16/5. Für ein optimales Strahlergebnis sorgen vier Turbinen Gamma 400 G mit 15 kW Antriebsleistung. Sie sind am Dach und Boden der aus Manganstahl bestehenden und zusätzlich mit auswechselbaren Manganstahlplatten ausgekleideten Strahlkammer platziert.

  • Im Anschluss an eine Strahlmittelabreinigungsstation werden die Profile für den folgenden Richtprozess, der mit einer Geschwindigkeit von 30 m/min erfolgt, vereinzelt. Profile, die nicht in Ordnung sind, werden danach ausgeschleust. Alle anderen werden in einer folgenden Chargierstation zu Chargen mit einer Breite bis zu 3.200 mm zusammengefasst.

Datenaustausch mit dem Produktionssteuerungssystem der Werft

Die in einer Freihalle lagernden, bis zu 100 mm starken, 3.300 mm breiten und 24.000 mm langen Bleche werden mit einem Magnetportalkran zentrisch auf der Beladeposition der Rollenbahn, der sogenannten Hauptlinie, platziert. Die Beschickung wird durch einen Sensor überwacht. In einem ersten Schritt durchlaufen die Teile ein Abblas-System, um eventuell auf den Blechen befindliches Wasser oder Laub zu entfernen.

Nach einer Vorwärmstation fahren die Bleche weiter mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 5 m/min in die Rollenbahnstrahlanlage RRB 35/6-HD. Diese ist mit acht Long Life Hochleistungsturbinen Rutten Gamma 400 mit 37 kW Antriebsleistung ausgestattet. Um Verschleiß und Wartung zu minimieren, ist die Strahlkammer aus Manganstahl gefertigt und zusätzlich mit spaltfrei verlegten und auswechselbaren Manganstahlplatten ausgekleidet. Nach der folgenden Strahlmittelabreinigungsstation erfolgt der Richtprozess.

Um die chargierten Profile für die Lackierung in die Hauptlinie einzuschleusen, stoppt die Beladung der Anlage mit Blechen automatisch, sobald eine Charge bereitsteht. Sie durchläuft die einzelnen Stationen der Linie, wobei die Profile vorgewärmt und nachgestrahlt werden können.

Oversprayarme Lackapplikation und Lösemittelaufbereitung

Der abschließende Lackierprozess erfolgt mit lösemittelbasierenden 2K-Lacken in zwei Farbtönen, die automatisch bedarfsgerecht angemischt werden. Appliziert wird der Lack mit Spritzpistolen, die die Werkstücke von oben und unten besprühen. Um Overspray zu reduzieren, wird der Einsatz der einzelnen Pistolen durch eine Werkstückerkennung und Wegemessung gesteuert. Das für das Spülen und Reinigen eingesetzte Lösemittel wird in einer entsprechenden Anlage aufbereitet und kann dem Prozess zu 98 % wieder zugeführt werden.

Auf eine optimale und schnelle Aushärtung der Lacke wurde der Trockner ausgelegt. Er ist mit Gasbrennern sowie oben und unten angeordneten Umluftdüsen ausgestattet. Abschließend werden die Bleche und Profile an den über das Produktionsleitsystem vorgegebenen Entladepositionen für die weitere Verwendung bereitgestellt.

Rösler Oberflächentechnik

... ist als Komplettanbieter für Gleitschliff- und Strahlanlagen, Lackier- und Konservierungssysteme sowie Verfahrensmittel und Technologien für die rationelle Oberflächenbearbeitung von Metallen und anderen Werkstoffen bekannt. Die Rösler-Gruppe ist international aufgestellt und betreibt in Deutschland Werke in Untermerzbach/Memmelsdorf und Bad Staffelstein/Hausen.

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