Was die Finanzkrise 2008/09 über viele Monate angerichtet hat, schafft Corona in wenigen Wochen. Den Einbruch spürt die deutsche Industrie besonders stark.
Foto: JeDo - stock.adobe.com

Märkte

Deutsche Industrie: Neue Zahlen zu Corona-Auswirkungen

Corona verursacht eine Katastrophe in Rekordgeschwindigkeit. Das Institut der deutschen Wirtschaft veröffentlicht aktuelle Zahlen zur Lage in der Industrie.

Laut einer neuen Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) haben die inländischen Unternehmen im April dieses Jahres rund 22 % weniger als im März produziert – über beide Pandemie-Monate hinweg verbucht die deutsche Industrie somit ein durch den Corona-Virus verursachtes Minus von 30 %.

Corona hat die deutsche Industrie fest im Griff

Mitarbeiter und Zulieferungen fehlen, die Bänder stehen vielerorts still. Die heute erschienenen Daten zur Industrieproduktion belegen den beispiellosen Einbruch: Im Vergleich zu März ist die Produktion im April um 22 % zurückgegangen. Die Automobilbranche erlebt mit einem Minus von 75 % einen historischen Sturz, wie das IW berichtet.

Aufträge aus dem In- und Ausland brechen weg

  • Zusammengenommen haben die Monate März und April, also die ersten beiden Krisenmonate der Corona-Pandemie, für einen Produktionsrückgang von 30 % gesorgt. Während der Finanzkrise, also im Zeitraum von September 2008 bis April 2009, waren es lediglich 23 %. Das zeigt, wie schnell und vor allem heftig die Einschläge in der deutschen Industrie derzeit sind.
  • Auch bei den Auftragseingängen, die gute Anhaltspunkte für die weitere Entwicklung liefern, ist das zu beobachten. Während des genannten Zeitraums der Finanzkrise sanken die Inlandsaufträge um 27 %, wohingegen allein im März und April 2020 ein Rückgang von 33 Prozent entstand. Bei den Auslandsaufträgen fällt der Einbruch mit 40 % sogar noch stärker aus.

Jetzt ist die Weltwirtschaft entscheidend

„Die Corona-Pandemie hat die deutsche Industrie mit einer noch nie dagewesenen Wucht getroffen“, sagt IW-Konjunkturexperte Michael Grömling. Was während der Finanzkrise über viele Monate hinweg auf die Unternehmen wirkte, ist nun innerhalb von nur zwei Monaten eingetreten.

Wie es in den nächsten Monaten weitergeht, hängt vor allem an der Weltwirtschaft: Rund die Hälfte aller Umsätze der deutschen Industrie wird mit ausländischen Kunden gemacht. „Sollten weiterhin weniger Auslandsbestellungen eingehen, wird das katastrophale Auswirkungen auf die deutsche Industrie haben“, so Grömling.