Knackpunkt Entpacken: Als eine Schwachstelle in der Sauberkeitskette kristallisierte sich der Sektor Logistik heraus – also die Strecke zwischen dem Ende des Reinigungsvorgangs und der weiteren Verwendung des Bauteils.
Foto: Nerling Systemräume GmbH

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Bauteilsauberkeit: Schwachpunkt ist oft die Logistik

Wie Sauberraum-Komplettlösungen aussehen können, weiß das Cleaning Excellence Center (CEC). Und erklärt, wo Probleme in der Sauberkeitskette entstehen können.

Die technische Sauberkeit gewinnt an Bedeutung. Sie gilt heute als wichtiges Qualitätsmerkmal, das für die Zuverlässigkeit und Funktion von Maschinen sowie Produktionsteilen entscheidend ist. Um das Risiko von Beeinträchtigungen zu minimieren, legen die Richtlinien VDA 19 und ISO 16232 sowie herstellerspezifische Normen Restschmutz-Höchstgrenzen für alle relevanten Prozesse und Komponenten fest. Die Einhaltung dieser Vorgaben muss dabei fortlaufend nachgewiesen werden: „Es geht darum, eine mögliche Verunreinigung festzustellen und potentiell schädliche Partikel zu quantifizieren“, erklärt Ralf Nerling, Generalbevollmächtigter der Firmengruppe Nerling und Vorsitzender des Cleaning Excellence Center (CEC) . „Aus diesem Grund sind in der Regel die Installation eines Sauberraumsystems und eine regelmäßige Überprüfung von Raumkonditionen und Produkten notwendig.“

Fortschritte bei der Umsetzung der technischen Sauberkeit

Wie eine derartige Lösung aussehen kann, zeigte das CEC beispielhaft anhand einer Demo-Anlage auf der parts2clean 2018 in Stuttgart, die einen Überblick über die Prozesskette der Bauteilsauberkeit bot. „Der Prozessstand war in drei Sektoren aufgeteilt“, berichtet Nerling. „Beim ersten Bereich handelte es sich um Entgraten und Reinigen inklusive der Prozesschemie. Beim zweiten um Logistik, also Transport und Lagerung einschließlich der Schleusensysteme zum Sauberkeitslabor.“ Den letzten Abschnitt bildete die Prüfung der Bauteilsauberkeit. Zwei Mind-Map-Tableaus verdeutlichten die Logik der Bauteilreinigung beziehungsweise -prüfung und die zu beachtenden Einflussfaktoren.

Die Schwachstelle identifiziert

In den Gesprächen mit Standbesuchern sei deutlich geworden, betont Nerlinger, dass die Bereiche Entgraten und Reinigen sowie Prüfung von vielen Unternehmen mittlerweile erfolgreich gehandhabt werden. „Als eine Schwachstelle der Sauberkeitskette wurde jedoch der Sektor Logistik benannt, also die Strecke zwischen dem Ende des Reinigungsvorgangs und der weiteren Verwendung des Bauteils. Es entstand der Eindruck, dass die Betriebe aktuell sehr viel Aufwand bei Reinigung und Verpackung betreiben, dieser jedoch durch nicht sachgemäßes Handling bei Transport, Lagerung und Entpacken in großen Teilen wieder zunichte gemacht wird.“

Wichtiges Wissen ist Mangelware

Ein Grund dafür ist, dass diese Prozesse häufig von externen Dienstleistern durchgeführt werden, deren Mitarbeiter nicht über das nötige Wissen verfügen oder nicht entsprechend ausgebildet sind. Das Cleaning Excellence Center empfiehlt daher, das gesamte an der – bis zur Endmontage reichenden – Sauberkeitskette beteiligte Personal darüber aufzuklären, welche Auswirkung Partikel auf die Funktionalität der Endprodukte ausüben können und wie sich Verunreinigungen vermeiden lassen. „Leider werden die dafür notwendigen Schulungen derzeit häufig nur als Kostenfaktor betrachtet und der mögliche Return on Investment zu konservativ bewertet“, betont Nerling.

Herausforderungen für die Zukunft

Insgesamt identifiziert das CEC fünf Aufgaben, damit Unternehmen den kompletten Prozess von der Entgratung bis zur Endmontage im Hinblick auf die technische Sauberkeit wirtschaftlich gestalten können:

  1. Die Forderungen zur Bauteilsauberkeit sollten auf einem wirtschaftlich vertretbaren Level gehalten werden. Optimal sind Komponenten und Produkte, die Sauberkeitswerte bis zum mittleren Bereich (200 – 400 µm) erfordern, während der feine und damit kostenaufwändige Bereich bis zu einer Partikelgröße von 200 µm vermieden werden sollte.

  2. Die Produktionsräume, in denen erhöhte Sauberkeit relevant ist, sollten für den Normalverkehr gesperrt werden, damit keine unnötige Aufwirbelung von Schmutzteilchen erfolgt.

  3. Zugerscheinungen durch offene Fenster und Tore sind zu vermeiden, eventuell sollte mit Zufahrtsschleusen gearbeitet werden.

  4. Das Personal sollte je nach Räumlichkeit mit der den dortigen Sauberkeitsanforderungen entsprechenden Kleidung ausgestattet werden.

  5. Regelmäßige Schulungen aller am „sauberen Produktionsprozess“ beteiligten Personen bis zur Endmontage sind empfehlenswert.

Über das CEC

Das Kompetenzzentrum Industrielle Bauteile- und Oberflächenreinigung Leonberg e.V., kurz Cleaning Excellence Center (CEC), ist ein Kompetenznetzwerk für die Industrielle Bauteil- und Oberflächenreinigung mit Sitz in Leonberg bei Stuttgart. Es wurde im Juni 2011 mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, dem Messebetreiber der „parts2clean“ und der Stadt Leonberg gegründet. Zu den CEC-Mitgliedern zählen namhafte Technologieunternehmen sowie mittlere und kleine Betriebe aus allen Bereichen der Industriellen Reinigung, darunter Anlagenbauer, Analysegeräte- und Reinigungsmittelhersteller sowie Anwender industrieller Reinigungsprodukte und -prozesse. Kooperationen mit etablierten Forschungs-Organisationen wie der Fraunhofer Gesellschaft oder verschiedenen Hochschulen runden das Mitgliederprofil ab.

Die Nerling Systemräume GmbH

... ist auf die Konstruktion von Messräumen, Rein- und Sauberräumen spezialisiert. In den Standorten Renningen und Halle planen und fertigen die rund 70 Mitarbeiter vor allem Technologieräume nach spezifischem Kundenwunsch. Das Unternehmen wurde 1970 von Ralf Nerling als Büro für Rationalisierungsaufgaben gegründet und zehn Jahre später in die Nerling Systemräume GmbH umfirmiert. Seit 2002 wird das Unternehmen in zweiter Generation von Olaf Nerling geführt. Zu den Kunden gehören Firmen aus der Automobilbranche, aus dem Maschinenbau und der Leiterplatte¬produktion, Kunststofffolienhersteller sowie die Lebensmittel- und Körperpflegemittelindustrie.

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