Image
Während der Roboter auf der einen Seite schweißt, kann der Bediener geschützt durch herunterfahrbare Rolltore mit Aluminiumpanzer und integriertem Schweißerschutzglas auf der anderen Seite zeitparallel Rüsten und Umspannen (Zwei-Stationen-Betrieb).
Foto: Demmeler
Während der Roboter auf der einen Seite schweißt, kann der Bediener geschützt durch herunterfahrbare Rolltore mit Aluminiumpanzer und integriertem Schweißerschutzglas auf der anderen Seite zeitparallel Rüsten und Umspannen (Zwei-Stationen-Betrieb).

Robotik

Aufstellen und losschweißen

Cobot-Anlage überzeugt durch ihre leichte Bedienbarkeit und hohe Qualität der Schweißnähte.

Schweißer sind derzeit gefragt wie nie, der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Das weiß auch Carsten Stein, Geschäftsführer der Schulz Fördersysteme GmbH in Thüringen. Das Unternehmen stellt neben Blechteilen, Kantteilen und komplexen Schweiß- und Montagebaugruppen auch Komponenten für Förderanlagen her. „Wir sind, entgegen unserem Namen, ein auftragsbezogener Lohnfertiger mit Schwerpunkt in der Blechbearbeitung für die unterschiedlichsten Branchen. Unsere Flexibilität war schon immer eine unserer größten Stärken gegenüber dem Wettbewerb“, so Carsten Stein, Geschäftsführer bei Schulz Fördersysteme. Umso wichtiger ist es für ihn, seine qualifizierten Arbeitskräfte optimal einzusetzen, um die vollen Auftragsbücher bedienen zu können. Die Lösung war eine teilweise Automatisierung der Handschweißarbeitsplätze, die einfach zu programmieren und auch bei kleinen Losgrößen rentabel ist. „Unser Ziel war es, bei mindestens gleichen Kosten und aufgrund der Arbeitsmarktsituation mit weniger qualifiziertem Personal eine bessere Qualität zu liefern“, bemerkt der Geschäftsführer. Seit einigen Monaten setzt das Unternehmen neben einem Demmeler Manipulator und Schienensystem deswegen nun auch auf eine neue Cobot-Anlage: Die Cobot Weldspace 4.0 von Demmeler übernimmt das Lichtbogenschweißen von S235/S355 und S420 Stahlbaugruppen.

Automatisiert schweißen ohne Programmkenntnisse

Mit der neuen Cobot-Anlage von Demmeler kann Schulz Fördersysteme in der Produktion schnell und einfach auf veränderte Bauteilgeometrien oder -größen reagieren. Alle Schweißprogramme und -parameter, die im Demmeler Cobot Weldspace 4.0 hinterlegt sind, können beim nächsten Auftrag wieder abgerufen werden. Durch die extrem einfache Bedienung werden keine Programmierkenntnisse benötigt. Der Bediener muss nur den Cobot per Hand an die Stelle bewegen, an der geschweißt werden soll. Auch Zwischenwegpunkte und Abschnitte werden so per Knopfdruck programmiert. Ohne viele Fenster und Untermenüs lassen sich einfach und schnell mit wenigen Klicks intuitiv professionelle Schweißprogramme erstellen. „Wir haben bereits mehrere vollautomatisierte Schweißarbeitsplätze, die mit einem klassischen Industrieroboter ausgestattet sind. Der große Nachteil dabei war für uns immer die aufwendige Programmierung und das lange Einlernen der Mitarbeiter. Mit dem Cobot Weldspace 4.0 von Demmeler ist das kein Thema mehr.“

Image
Schulz Fördersysteme setzt beim automatisierten Schweißen auf den Cobot Weldspace 4.0 von Demmeler. Der Cobot ist intuitiv und leicht zu bedienen.
Foto: Demmeler
Schulz Fördersysteme setzt beim automatisierten Schweißen auf den Cobot Weldspace 4.0 von Demmeler. Der Cobot ist intuitiv und leicht zu bedienen.

Schweißen, Rüsten und Umspannen – alles gleichzeitig

Dass die Firma sich als Systemanbieter mit hoher Fertigungstiefe versteht, soll sich auch in den modernen Produktionsprozessen widerspiegeln. „Der Vorteil ist, dass es aufgrund der Automatisierung nicht mehr auf die Fingerfertigkeiten und die persönlichen Fähigkeiten einer einzelnen Person ankommt. Beim Einrichten der Maschine und der Qualitätskontrolle ist der Spezialist natürlich unverzichtbar. Zum Bestücken des programmierten Cobots muss der Maschinenbediener aber kein 100-prozentiger Schweißer mehr sein“, erklärt Stein. Mit der Demmeler Cobot Weldspace 4.0 können mehrere, teilweise unterschiedliche Teile gleichzeitig geschweißt werden. Das automatische Verfahren der Umhausung ermöglicht das Arbeiten im Mehrstationenbetrieb. Während der Roboter auf der einen Seite schweißt, kann der Bediener geschützt durch herunterfahrbare Rolltore mit Aluminiumpanzer und integriertem Schweißerschutzglas auf der anderen Seite zeitparallel Rüsten und Umspannen (Zwei-Stationen-Betrieb). Eine weitere optionale Unterteilung des vorderen Arbeitsraums (Space A) mittels Trennwand schafft sogar einen weiteren Arbeitsplatz (Drei-Stationen-Betrieb). Um alle Arbeitsräume gut zu erreichen, ist der Cobot mittig an der Decke angebracht und fährt mit der Umhausung mit. Neben der einfachen Programmierung sollte die körperliche Belastung der Schweißer minimiert werden. „Uns war es wichtig unsere Mitarbeiter zu entlasten. Schweißen ist eine anspruchsvolle Arbeit. Oft sind unsere Schweißer gezwungen in Zwangslage zu arbeiten, denn die Schweißnähte liegen häufig an schwer zugänglichen Stellen“, berichtet Stein. Deshalb wurde der hintere Arbeitsplatz (Space B) der Cobot-Anlage mit einem Zwei-Achsen-Manipulator ausgestattet: Werkstücke bis 500 kg können einfach in optimaler Wannenlage positioniert werden. Das zeitaufwendige Umspannen von Werkstücken entfällt und dank der Rundachse (Achse 2) des Manipulators lassen sich auch gleichmäßige Rundnähte schweißen.

Image
Das automatische Verfahren der Umhausung ermöglicht das Arbeiten im Mehrstationenbetrieb.
Foto: Demmeler
Das automatische Verfahren der Umhausung ermöglicht das Arbeiten im Mehrstationenbetrieb.

Vorlagen für optimierte Standardschweißprozesse inklusive

Als zertifizierter Fachbetrieb nach DIN EN 15085-2 für die Herstellung von hoch sicherheitsrelevanten CL1-Bauteilen für Schienenfahrzeuge hat Schulz Fördersysteme eine besondere Verantwortung. Diese Norm ist Grundlage für das Schweißen metallischer Werkstoffe bei der Herstellung und Instandsetzung von Schienenfahrzeugen sowie -fahrzeugteilen und legt die Qualitätsanforderungen für den Neubau von Schienenfahrzeugen und deren Instandsetzung fest. „Alle Schweißnähte müssen den höchsten Qualitätsanforderungen entsprechen“, erklärt Stein. Zukünftig könne er sich auch vorstellen, die Schienenfahrzeugteile mit Hilfe der Demmeler Cobot Weldspace 4.0 zu fertigen. „Das Schweißergebnis hat uns wirklich überzeugt und mit den hinterlegten Schweißjobs sind die Schweißnähte auch reproduzierbar.“ Die Demmeler Cobot Weldspace 4.0 enthält zahlreiche Vorlagen für optimierte Standardschweißprozesse, sogenannte Schweißjobs, abgestimmt auf Stromquelle, Schweißprozess und Brenner. Über das Demmeler Cobot-Interface kann der Bediener auf die hinterlegten Programme der Schweißmaschine mit allen wichtigen Schweißkennlinien und -parametern der Job-Bibliothek zugreifen und diese anwählen. Demmeler bietet ein breites Spektrum an Lösungen, welches auch bei der Fertigung von kleinen und mittleren Losgrößen einsetzbar ist. Das kann auch Robert Zeilinger von Mauersberger Industrievertretungen bestätigen. Als Vertriebspartner von Demmeler hat er reichlich Erfahrung im Bereich der Automatisierung von Schweißprozessen: „Im Vergleich zum Handschweißen ist der Demmeler Cobot Weldspace 4.0 deutlich schneller, die Bearbeitungszeit reduziert sich um mindestens 30 Prozent.“

Image
Von rechts: Carsten Stein, Geschäftsführer bei Schulz Fördersysteme GmbH, mit Robert Zeilinger von Mauersberger Industrievertretungen, nationaler Vertriebspartner von Demmeler.
Foto: Demmeler
Von rechts: Carsten Stein, Geschäftsführer bei Schulz Fördersysteme GmbH, mit Robert Zeilinger von Mauersberger Industrievertretungen, nationaler Vertriebspartner von Demmeler.

Reduzierte Rüstzeiten an den Handschweißarbeitsplätzen

Auch die Handschweißarbeitsplätze wurden optimiert: Um schnell zwischen kleinen und größeren Baugruppen hin und her zu wechseln, wurden zwei Schienensysteme installiert. Dadurch lassen sich die Arbeitsplätze flexibel verändern. Auf Verschiebefüßen werden sowohl 3D-Schweißtische als auch Distanzwinkel von Demmeler entsprechend der Werkstückgröße auf dem Schienensystem positioniert. „Bei Bedarf haben wir beispielsweise einen großer Arbeitsplatz oder auch mehrere kleine, je nachdem welche Maße die Baugruppe hat“, so Stein. Beim Aufspannen der Werkstücke versenken sich die Laufrollen der patentierten Demmeler Verschiebefüße durch die Last. Dadurch erhält der Fuß einen flächigen Kontakt zur Fundamentschiene. Der Schweißstrom wird nicht über die Laufrollen geleitet und somit wird das Lager nicht beschädigt. Unterschiedliche Aufbauhöhen lassen sich einfach durch verschiedene Tischfußhöhen an das Werkstück anpassen. „Mit dem Verschiebesystem haben wir die Wiederholgenauigkeiten deutlich erhöhen und gleichzeitig unsere Vorrichtungskosten senken können.“ Auch reduzieren sich dank der Modularität und Flexibilität des Systems die Rüstzeiten für die unterschiedlichen Bauteiltypen. Bei Bauteilen wie Batterietröge und Hauben, die aufgrund der Lage der Schweißnähte mehrmals gedreht werden müssen, übernimmt der Manipulator Ergonomix-M von Demmeler die schwere Arbeit. Das besondere Merkmal der Produktfamilie ist der große Schwenkbereich von 180°: „Damit können wir unsere Werkstücke in einer Aufspannung und ohne zusätzliches Umdrehen fertig bearbeiten, das spart viel Zeit.“ Da sich der kippbare Manipulator in Höhe und Winkel per Tastendruck verstellen lässt, schafft Schulz Fördersysteme mit diesem Handlinggerät so auch für die Handschweißarbeitsplätze eine ergonomische Arbeitsumgebung. Denn der Manipulator ermöglicht ein sehr genaues Arbeiten bei optimierter Schweißreihenfolge, was die Schweißverzugsrate erheblich senkt. Carsten Stein ist überzeugt: „Wir werden weiter in die Automatisierung unserer Fertigung investieren, um so dem Fachkräftemangel entgegenzutreten und noch flexibler reagieren zu können.“

Image
Der kippbare Manipulator Ergonomix-M hat einen Schwenkbereich von 180° und lässt sich per Tastendruck in Höhe und Winkel verstellen.
Foto: Demmeler
Der kippbare Manipulator Ergonomix-M hat einen Schwenkbereich von 180° und lässt sich per Tastendruck in Höhe und Winkel verstellen.
Image
demmeler_pendel_betrieb.jpeg

Fügen + Verbinden

Doppel-Schweißzelle mit extra einfacher Programmierung

Einfach aufstellen und loslegen: Die neue Cobot-Schweißzelle von Demmeler will durch schnelle Inbetriebnahme und unkomplizierte Programmierung überzeugen.

    • Fügen + Verbinden, Schweißen, Automatisierung, Robotik
Image
trumpf_pfannenberg_anlage.jpeg

Schweißen

Fachkräftemangel: Eine automatisierte Schweißanlage hilft

Pfannenberg weiß, dass es schwer ist, gute Schweißer zu finden. Daher hilft nun eine automatisierte Lichtbogenschweißanlage von Trumpf, das zu kompensieren.

    • Schweißen, Automatisierung
Image
Die neuen, intelligenten TPS/i TWIN Tandem-Schweißsysteme ermöglichen die volle Kontrolle über zwei Lichtbögen. Sie überzeugen durch stabilen Einbrand und sparen Zeit durch hohe Geschwindigkeit und beeindruckende Abschmelzleistung.

Schweißen

Vom Cobot bis zur Handling-to-Welding-Roboterschweißzelle

Auf der automatica 2022 präsentiert Fronius innovative Roboterschweißlösungen für Industrie und Gewerbe.

    • Schweißen, Fügen + Verbinden
Image
Der Dreh-Kipptisch erweitert die Möglichkeiten beim automatisierten Schweißen mittels Cobot deutlich. Die Einstellungen für den Dreh-Kipptisch werden über die leicht bedienbare Cobotronic-Software des Cobots vorgenommen.

Schweißen

Dreh-Kipptisch verbessert Schweiß-Automation

Mit einem Dreh-Kipptisch lässt sich das automatisierte Schweißen mit einem kollaborativen Roboter weiter optimieren.

    • Schweißen, Fügen + Verbinden, Automatisierung